50 Die von Hohenſtein.
ſeine Schatten breitete, in ein Meer von unruhig hin und her wogen⸗ den Gedanken, bis ein Diener hereintrat und ihn zum Nachteſſen rief.
Die Präſidentin war zurückgekommen und hatte auch für Wolf⸗ gang einen kleinen Koffer mitgebracht, den die Mutter in aller Eile mit den für einen längeren Aufenthalt nöthigen Sachen angefüllt hatte.
Die Präſidentin war während der Tafel, an welcher weder der General noch Dame Brigitte Theil nahmen, äußerſt gnädig. Sie konnte kaum Worte genug finden, um Wolfgang zu ſagen, welchen angenehmen Eindruck ſeine Mutter auf ſie gemacht, und wie ſie ſich freue, daß ſie— wenn auch ſpät, ſo doch hoffentlich nicht zu ſpät— dieſe liebenswürdige Frau kennen gelernt habe.
Wer ihm die Mutter lobte, war ſicher, von Wolfgang mit günſtigem Auge betrachtet zu werden. Wolfgang fand die Präſidentin ganz angenehm, fand auch, daß Camilla, die ſich ſehr ſtill verhielt und die ſeidenen Wimpern kaum einmal aufſchlug, bei Kerzenlicht faſt noch ſchöner ſei, als bei Tage; und als er ſich nicht lange nachher auf ſein Zimmer zurückzog, das ihm jetzt mit den heruntergelaſſenen ſchweren ſeidenen Vorhängen doppelt ſtattlich und vornehm däuchte, that es ihm gar nicht mehr leid, der Grille des Großonkels und den Bitten der Eltern nachgegeben zu haben. Das mächtige Himmelbett umfing den Müden wie mit weichen gaſtlichen Armen, einzelne Strahlen des Mondes ſtahlen ſich durch die Gardinen und bewirkten eine wol⸗ lüſtige Dämmerung in dem hohen ſtillen Raume, und aus der Däm⸗ merung blickten ein Paar braune träumeriſche Augen ſo zärtlich und dabei ſo ſchelmiſch, daß Wolfgang lächeln mußte und mit einem Lächeln auf den Lippen einſchlief.
Siebentes Capitel.
Und mit einem Lächeln auf den Lippen erwachte Wolfgang am nächſten Morgen, und wer ihn in den folgenden Tagen beobachtet hätte, würde dies Lächeln noch manchmal auf ſeinen Lippen bemerkt haben. Er wußte ſelbſt kaum, was ihn denn eigentlich ſo heiter


