Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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ſtimme, und mit jenem Inſtinct, der frühreife Naturen über die Flüchtigkeit ſonniger Stunden ſelten täuſcht, vermied er es auch ge⸗ fliſſentlich, allzu genau darüber nachzudenken. Und dann, warum ſollte er gegen die Lieblichkeit dieſes herrlichen Frühlings unempfindlich ſein, der ſo warm und duftig über den Feldern, Wieſen und Weingärten lag? Warum ſollte er die Gelegenheit zwangloſeſten Umgangs mit einem jungen Mädchen, an deſſen Schönheit ſein bewundernder Blick von Tag zu Tag mit größerem Entzücken hing, nicht benutzen? War ihm ſolch' Glück doch in ſeinem einfachen, ernſten Leben noch nie zu Theil geworden! Er hatte nie mit Schweſtern und mit den Freun⸗ dinnen der Schweſtern verkehren können, wie andere junge Leute; und der Reiz der weiblichen Geſellſchaft, den Manche ſo früh kennen lernen, daß ſie ihn ſpäter gar nicht mehr zu ſchätzen wiſſen, erſchloß ſich dem Zwanzigjährigen hier in dieſer ländlichen Einſamkeit zum erſten Male— was Wunder, daß er Sirenen ſingen zu hören glaubte, wo für Andere nur mit Menſchenzungen geredet wurde?— Da die Präſidentin für längere Promenaden zu bequem war, und, verwöhnt durch vieles Sitzen und die Stubenluft, es bald zu heiß und bald zu kühl, bald zu windig und bald zu drückend fand, ſo ſchweiften Wolfgang und Camilla beinahe zu allen Tageszeiten allein in dem ungeheuren Park umher, der in ſeiner Verwilderung noch viel größer erſchien, als er in Wirklichkeit war. Die beiden jungen Leute ſtellten förmliche Entdeckungsreiſen nach den verſchiedenſten Richtungen an, und es fehlte nicht an anmuthigen Abenteuern, die dieſe Fahrten oft zu improviſirten Robinſonaden machten. Einmal ſetzten ſie auf einem paar Baumſtämmen, die Wolfgang mit Weidenruthen zuſammen⸗ band, über einen ſumpfigen Teich, um zu einem kleinen verfallenen Tempel, welcher inmitten des Teiches auf einer Inſel lag, zu gelangen, da das Boot, welches früher die Ueberfahrt vermittelt hatte, nur noch mit der Spitze aus dem Schlamm und Röhricht des Ufers hervor⸗ ragte. Ein anderes Mal wurden ſie von einem heftigen Gewitter⸗ ſturm überraſcht, vor dem ſie ſich eben noch in eine Grotte retten konnten, die ihnen für eine Stunde lang zum reizendſten Gefängniß wurde, während der Regen in Strömen herniederrauſchte, blendende Blitze durch den verdunkelten Tag zuckten und die ſonſt ſo ſtillen 4½