Erſter Band. 49
„Hed“ ſagte der General, ſeine Augenbrauen drohend zuſammen⸗ ziehend und den jungen Menſchen, der in dieſem Tone mit ihm zu ſprechen wagte, finſter anblickend.„He?“
Aber Wolfgang ließ ſich hier, wo es die Ehre ſeiner Mutter galt, nicht einſchüchtern.
„Ich wollte nur bemerken,“ ſagte er,„daß kein Mann auf Erden ſich durch die Verbindung mit meiner Mutter entehrt haben würde, und daß ich ſtolz auf meine Mutter bin; ja, Herr General, ſehr ſtolz, und daß ich keinen Augenblick länger in einem Hauſe bleiben werde, in welchem, ohne daß ich es hindern kann, ſo über meine Mutter geſprochen wird.“
Wolfgang hatte, während er ſo ſprach, ſich erhoben und ſtand jetzt, bebend vor innerer Erregung, aber mit Feſtigkeit in Blick und Haltung, vor dem General. Er war auf einen Zornausbruch des alten Thrannen gefaßt und deshalb nicht wenig erſtaunt, als der General plötzlich in ein heiſeres Lachen ausbrach und zwiſchen Huſten und Lachen rief:
„Hat Race, der Junge— freut mich— freut mich! Mußt bei einem alten Kerl nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.— Deine Mutter iſt eine Dame, die mir ſehr gefallen hat.— Haſt ganz recht, ganz recht— und nun geh' und ruf mir mal die Brigitte— ah!— der verdammte Huſten!“
Wolfgang wollte dem alten Mann Hülfe leiſten, aber der winkte abwehrend mit der Hand, und er eilte aus dem Zimmer, froh, ſo leichten Kaufes davon zu kommen.
„Der Schulmeiſter hat Recht,“ ſprach er bei ſich, als er auf ſeinem Zimmer angekommen war,„es iſt ein fürchterlicher Herr, ein wahrer Teufel von einem eisgrauen, finſterblickenden, wuthſchnauben⸗ den, alten Löwen; aber trotz alledem ſcheint er nicht ſo ſchlimm, als der Vater und die Andern ihn mir geſchildert haben. Ob es wohl möglich wäre, dieſen Eiſengrimm zu zähmen, und ob das ſich wohl der Mühe verlohnte?“
Wolfgang verſank am offenen Fenſter ſtehend und mit verſchränkten Armen in die Parkwildniß hinausblickend, über welche jetzt der Abend 3 Fr. Spielhagen's Werke. vII. 4


