48 Die von Hohenſtein.
Augenblick hat Keiner wieder rechts geſchwenkt, wenn ich links com⸗ mandirte. Warum hieben mich die Kerls nicht in die Pfanne? Es hinderte ſie Niemand; wir waren ganz allein auf dem Platze, eine halbe Stunde von der Feſtung; kein Menſch hätte mir helfen können. Warum thaten ſie's nicht? Weil ſie feig waren und ich das Herz auf dem rechten Flecke hatte. Und ich ſage Dir, wenn ſie in den letzten Tagen das Herz auf dem rechten Fleck gehabt hätten, die Fürſten ſäßen in dieſem Augenblick ſo bequem auf ihren Thronen, wie ich hier in dem Lehnſtuhl ſitze. Biſt Soldat geweſen, Junge?“
„Ich habe mein freiwilliges Jahr abgedient.“
„Wo?“
„In der Univerſitätsſtadt.“
„Hm! hin!“
Der General ſchwieg und paffte dicke Wolken Tabaks aus ſeiner kurzen Meerſchaumpfeife. Wolfgang betrachtete das alte, verwitterte und doch noch immer von Leidenſchaft zuckende Geſicht mit einem aus Abſcheu und Staunen gemiſchten Gefühl. Er ſchämte ſich, daß er nicht den Muth hatte, dem grauen Tyrannen da vor ihm zu wider⸗ ſprechen, aber die Zunge war ihm wie gelähmt, und als jetzt die ſtechenden ſchwarzen Augen unter den borſtigen Brauen ſo forſchend auf ihn geheftet waren, empfand er etwas von dem, was ein Vogel empfinden mag, dem die Schlange in's Neſt ſtarrt.
„Warum biſt Du nicht dabei geblieben?“ fing der Alte plötzlich wieder an;„paßt beſſer dazu, als Deine rothhaarigen, ſpindelbeinigen Couſins. Der Soldatenſtand iſt der einzige, der ſich für einen Edel⸗ mann ſchickt.“
„Ich erlaube mir, Sie daran zu erinnern, daß ich nur ein halber Edelmann bin,“ erwiderte Wolfgang mit einem etwas gezwungenen Lächeln.
„Warum? weil Deine Mutter eine Bürgerliche iſt?'s iſt freilich ſchlimm genug, daß ſich Dein Vater durch ſeine Heirath mit einem Bürgermädchen encanaillirt hat, indeſſen—“
Die Röthe des Zorns ſtieg in Wolfgangs Geſicht auf.„Sie ſcheinen zu vergeſſen, Herr General,“ ſagte er mit feſter Stimme, „daß Sie von meiner Mutter ſprechen.“


