Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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Erſter Band. 47

Du dagegen thun? Religion? Nun ja! es werden ſich immer von Zeit zu Zeit ein paar gutmüthige Schächer finden, die ſich die Finger verbrennen, um andern Leuten die Kaſtanien aus dem Feuer zu holen; aber aus den Heiligen werden morgen Schelme, aus den Einſiedlern luſtige, dickbäuchige Mönche, und zuletzt— iſt die Welt rund und muß ſich drehen.— Revolutionen? Mon cher, ich war Anno ſiebenzehnhundertneunundachtzig gerade ſo ein Gelbſchnabel, wie Du jetzt trotz Deines ſchönen ſchwarzen Schnurrbartes biſt, und weil ich ein wilder Burſche war und als Cornet bei den Huſaren von meinem Escadronchef viel auszuſtehen hatte, gefiel mir das mit der liberté und vor Allem mit der halbnackten Göttin der Vernunft ſehr gut. Habe mit meinen Kameraden der Zeit viele Bowlen getrunken und „allons enfants“ geſungen und ſchöne Mädchen dabei auf den Knieen geſchaukelt. Hernach, als ich ſelber Escadronchef war und die ſchönen Mädchen zu allen Teufeln wünſchte, habe ich meine Cornets gerade ſo gefuchtelt, als man mich gefuchtelt hatte. Bgalité! Fraternité! Laß Dir doch nichts weiß machen! Wer die Macht hat, hat das Recht, und wenn er ſich die Macht entreißen läßt, ſo lange er's hin⸗ dern kann, iſt er ein großer Eſel, nichts weiter. Zum Teufel! warum machen die Fürſten es nicht im Großen, wie ich es ſiebenzehnhundert⸗ zweiundneunzig in der Campagne machte? Waren da ein paar vor⸗ laute Burſche in der Escadron, die den Andern einen Floh in's Ohr ſetzten. Will euch Mores lehren, ihr Galgenvögel, dachte ich. Dauert nicht lange, ſchwenkt die ganze Escadron beim Exerciren auf dem Platze rechts ab, als ich links commandire, und links, wenn ich rechts commandire.„Halt! Warum reitet Ihr nicht, wie Ihr ſollt?“— „Weil wir nicht wollen!“ brüllte die ganze Escadron.„So?“ ſage ich,„weil Ihr nicht wollt?“ und rufe den Schlimmſten vor die Front. Er kommt heraus und hält vor mir.„Warum reiteſt Du nicht, wie Du ſollſt?“—„Weil ich nicht will!“ antwortet der Kerl und lacht mich höhniſch an.„Abgeſeſſen!“ ſchrie ich ihn an. Der Menſch rührt ſich nicht.„Abgeſeſſen!“ commandire ich noch einmal. Der Kerl grinſt und rührt ſich nicht.„Nun denn, ſo ſoll Dich der Teufel holen!“ ſchreie ich, ziehe mein Piſtol, das ſchon ſeit Tagen geladen im Holfter ſteckte, und ſchieße den Hund über den Haufen. Von dem