46 Die von Hohenſtein.
ſich ſelbſt, während er nach dem Schloſſe zurückſchritt,„wahrhaftig, der Wunſch, daß es einem in dieſem verwünſchten Schloſſe wohl er⸗ gehen möge, ſcheint keine leere Phraſe.“
Sechstes Capitel.
Wolfgang fand den General, der ihn eine halbe Stunde ſpäter hatte rufen laſſen, in dem Gartenſaal zu ebener Erde, mit einem Zeitungsblatt in der Hand, in ſeinem Lehnſtuhl ſitzend. Er wollte von dem jungen Manne Auskunft haben über einen Profeſſor der Univerſität, welcher kürzlich bei einer Volksverſammlung eine ſehr freifinnige Rede gehalten hatte, die jetzt zum Theil in dem Blatte abgedruckt war. Wolfgang war in der Volksverſammlung zugegen geweſen, und indem er nun, dem Verlangen des alten Herrn will⸗ fahrend, die Rede des Profeſſors aus dem Gedächtniß ergänzte, ließ er ſich in ein politiſches Geſpräch verwickeln, das denn ſehr bald, wie es unter dieſen Umſtänden auch wohl kaum anders ſein konnte, eine für den jungen Mann ſehr unerfreuliche Wendung nahm. Der Alte wurde erſt zornig und zuletzt in ſeiner rohen Weiſe ſatyriſch.
„Du biſt ein junger Menſch,“ ſchrie er,„und denkſt, das ſei nun was Rechtes, daß ſie hier und da ein paar Barrikaden errichtet, ein paar Fenſter eingeworfen und ſich heiſer geſoffen und geſchrieen haben. Pah! ein lahmer Gaul ſchlägt auch wohl mal hinten aus, wenn ſie ihm den Karren zu voll packen und gar zu unſinnig auf ihn los vreſchen, bleibt darum aber doch, was er iſt, und zieht ſeine Laſt ge⸗ duldig weiter, wenn er ſieht, daß ihm das Ausſchlagen nichts hilft. Gerade ſo iſt es mit dem Volke auch. Es muß lahme Gäule geben, die ſich für uns zu Tode ſchinden, und armes Geſindel, das ſich für uns zu Tode plackt. Das iſt ſo geweſen, ſeitdem die Welt ſteht, und wird ſo bleiben, bis ſie untergeht. So lange Leute da find, die gern Champagner trinken und Straßburger Gänſeleberpaſteten eſſen, darf es auch nicht an armem, ſchieläugigem, plattköpfigem Volk fehlen, vas ſich von Kartoffelſchnaps und Kohlſtrünken nährt. Was willſt


