Erſter Band.
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„O, ſehen Sie nur!“ ſagte er leiſe, ſich mit freudeſtrahlendem Geſicht zu Wolfgang wendend;„ſehen Sie nur!“
In einem RNeſtchen lagen drei oder vier mit weichem Flaum be⸗ deckte Vögelchen, die mit gereckten Hälſen die gelben Schnäbel weit aufſperrten.
„Arme Thierchen! ſind hungrig;“ ſagte Balthaſar, die Zweige wieder zuſammenlegend. Dann fing er an in ſeinen Taſchen zu ſuchen, bis er zwiſchen Endchen Bindfaden, vertrockneten Pflanzen und anderem Kram glücklich eine Brodrinde entdeckt hatte, die er zer⸗ bröckelte und neben der Hecke auf die Erde ſtreute.„Das ſoll ihnen gut bekommen. Jetzt ſchnell fort, damit wir die Alten nicht ver⸗ ſchüchtern. Da ſitzen ſie und ſchauen uns mit den dummklugen hellen Aeugelchen halb neugierig und halb erſchrocken an.“
Balthaſar nahm den leeren Topf, den er während deſſen auf den Boden geſiellt hatte, wieder zur Hand.
„Sie ſcheinen ein warmer Freund der Natur;“ ſagte Wolfgang, während ſie weiter ſchritten.
„Wer wäre das nicht, der Augen zum Sehen und Ohren zum Hören; ja, und auch eine Naſe zum Riechen hat!“ erwiderte Balthafar, und wie er ſo ſprach, ſtieg eine zarte Röthe auf ſeinen blaſſen Wangen auf.„Ich ſitze oft hier unter den Bäumen zwiſchen den Büſchen, und wenn ich ſo eine Zeit geſeſſen und die Herrlichkeit mit allen Sinnen eingeſogen habe,— da weiß ich oft nicht mehr, ob ich das weiße Wölkchen bin, das über mir am blauen Himmel hinſegelt, oder das Vögelchen, das neben mir in dem Buſche ſchlägt, oder das friſche junge Laub, das rings um mich her ſo würzigen Wohlgeruch ausſtrömt.“
„Sie ſind ein Dichter, Herr!“ rief Wolfgang, der nicht wenig verwundert war, von dieſem unſcheinbaren, armſeligen Weſen ſolche Gedanken und noch dazu in ſo gewählter Sprache zu vernehmen.
„Ach nein!“ erwiderte Balthaſar zaghaft;„ſagen Sie das nicht! Ich habe es auch wohl manchwal gedacht; aber nur in eitlen, hoch⸗ müthigen Augenblicken, deren ich mich nachher immer recht herzlich ſchäme. Wie käme ich unwiſſender Menſch dazu, mich mit den weiſeſten und beſten Menſchen zu vergleichen! Ich habe in meinem Leben fo


