Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

42 Die von Hohenſtein.

und bitte ſubmiſſeſt um Entſchuldigung; aber ich konnte nicht unter⸗ laſſen, als ich den Herrn ſagen hörte, was ich nach meiner unmaß⸗ geblichen Meinung— bitte tauſendmal um Entſchuldigung!“

Und Balthaſar, der unter dem prüfenden Blick des jungen Man⸗ nes mit jedem Worte verlegener geworden war, und den irdenen Henkeltopf, den er in der Hand trug, immer heftiger mit dem einen Flügel ſeines Fracks geſcheuert hatte, verbeugte ſich und wollte ſich eiligſt entfernen; aber Wolfgang hielt ihn zurück.

„Sie wollen vermuthlich nach dem Schloſſe; können wir nicht zuſammen gehen?“

„O, nein, nein! bitte dringend! ich hatte ganz vergeſſen, daß ich beſtimmten Befehl habe, mich vor den Herrſchaften nicht ſehen zu laſſen; mein Weg führt nicht nach dem Schloſſe, im Gegentheil.“

Wolfgangs Neugier war durch das ſonderbare Benehmen und die wirren Reden des Mannes auf's höchſte erregt. Wer war dieſer Casper Hauſer, der ſich vor den Beſuchern des Schloſſes nicht ſehen laſſen durfte?

„Beſtimmten Befehl? von wem?“ fragte er, an Balthaſars Seite hergehend.

„Von ihr;“ erwiderte dieſer, einen ſcheuen Blick nach der Rich⸗ tung werfend, in welcher das Schloß lag.

„Von ihr? wer iſt das? Der Drache von Haushälterin etwa?“

„Ja, von meiner Frau;“ ſagte Balthaſar, ſeine Schritte be⸗ ſchleunigend.

„Das Ihre Frau?“ rief Wolfgang, unwillkürlich in ein Gelächter ausbrechend;„ja freilich, nun begreife ich Ihre Abneigung vor dem Schloſſe vollkommen.“

„Nicht wahr?“ erwiderte Balthaſar;„Sie begreifen das? Ich bin ein friedlicher Mann; ich habe keinen Wunſch, als mit Jedem in Ruhe und Freundſchaft zu leben; weshalb ſoll ich mich ohne Noth

ihrem Zorne ausſetzen? lieber gehe ich einmal mehr in meinem Leben hungrig zu Bette.“ Ein Flattern und Zirpen in der Hecke, an der ſie hinſchritten, erregte Balthaſars Aufmerkſamkeit. Er bog die Zweige vorſichtig auseinander und ſchaute hinein.