Erſter Band. 41
die den Muth haben, zu handeln, ja— und auch gelegentlich einmal drein zu ſchlagen, wenn es mit Guten denn gar nicht gehen will. Oder glaubt ihr, der Freiheit goldenes Samenkorn werde ſein, wie der Weizen, der auf das gute Land fiel und Früchte brachte hundert⸗ fältig und tauſendfältig? Glaubt ihr, daß dumpfe Philiſterſeelen auf einmal begreifen werden, was Freiheit iſt? daß hochmüthige Ariſtokratenherzen ſo ohne Weiteres für Gleichheit ſchlagen können? daß Pfaffen und Pfaffenknechte, nachdem ſie Jahrhunderte lang die Andersgläubigen verketzert und excommunicirt, ſo ohne Uebergang ſich für Brüderlichkeit begeiſtern werden? Nein! und abermals nein! Ich ſage euch: noch gilt Gewalt für Recht, und darum muß das Recht gewaltig ſein, gewaltiger als die Gewalt. Das iſt der tiefe Sinn des Waffenſpiels, das euren Gegnern ſo kindiſch ſcheint. Die Menſchenrechte in der einen und das Schwert in der andern Hand— ſo und nicht anders wird die Freiheit ihren Weg durch die Nationen machen..
„Uud doch ſteht geſchrieben: wer das Schwert erhebt, ſoll durch⸗ das Schwert umkommen,“ ſagte eine ſanfte Stimme unmittelbar in Wolfgangs Nähe.
„Wer iſt da?“ rief der Jüngling, ſich beſtürzt von der Bank erhebend und um ſich blickend.
„Ich bin's!“ ſagte die ſanfte Stimme; und ein Mann, der un⸗ bemerkt von Wolfgang durch den Park dahergekommen war, trat hinter der Tuffſteinmauer hervor, zog die Mütze vom Kopf und ver⸗ beugte ſich mehremals in einer ſeltſam linkiſchen Weiſe.
Voller Verwunderung betrachtete Wolfgang die wunderliche Geſtalt. Sein erſter Eindruck war, daß er es mit einem jener Unglücklichen zu thun habe, deren Geiſt in der Nacht des Wahnſinns troſtlos um⸗ herirrt; aber ein zweiter Blick in das hagere, friedliche Geſicht, aus dem die tiefklären Augen ſo kindlich fromm hervorſchauten, belehrte ihn eines Andern, und den demüthigen Gruß des Mannes freundlich erwidernd, fragte er:
„Mit wem..
„Ich heiße Schmalhans,“ ſagte der Mann ſchnell,„Balthaſar Schmalhans. Ich habe den Herrn in einem Selbſtgeſpräch geſtört


