40 Die von Hohenſtein.
ſchon ſeit Jahren in Zeitungen und Journalen das führt, was die
vormärzlichen Büreaukraten und Dunkelmänner„eine ſcharfe Feder“ zu nennen liebten.— Armer Münzer! nicht umſonſt hat Dir das Schickſal einen ſo verhängnißvollen Namen gegeben! Wie Dein un⸗ glücklicher Namensvetter aus den Bauernkriegen haſt auch Du Dich durch den Wuſt theologiſcher Scholaſtik hindurcharbeiten müſſen zur Religion der Freiheit! Und Bauernblut iſt es, das ſo feurig in Deinen Adern fließt, und Bauernmark iſt es, das Deinem mächtigen Leibe die ſtolze Kraft giebt, die ein Menſchenalter der Noth, des zum Theil verzweifelten Kampfes um das tägliche Brod, der unausgeſetzten, aufreibenden Arbeit nicht haben erſchüttern können.— Was Du wohl ſagteſt, edelſter, beſter meiner Freunde, wenn Du mich, Deinen Schüler und Zögling, jetzt hier ſäheſt in Mitten dieſes ſtolzen Parkes, den ariſtokratiſche Prunkſucht einſt geſchaffen und ariſtokratiſche Laune jetzt verwildern läßt! mich hier träumend fändeſt in dieſer Zeit, wo
die ganze Welt aus den Fugen iſt, und tüchtige Mannesarbeit im
Preiſe ſteigt!...
Es fiel Wolfgang ein, daß zu dieſer Stunde eine große Studenten⸗ verſammlung in der Aula des Univerſitätsgebäudes tagte, in der über die in Anregung gebrachte Bildung eines bewaffneten Studenten⸗ corps Beſchluß gefaßt werden ſollte. Er hatte ſich für einen Ge⸗ danken, der ihm mit ſo viel unlautern Elementen kindiſcher Eitelkeit und hohler Prahlerei verſetzt ſchien, nicht begeiſtern können. Er dachte darüber nach, wie wohl Münzer die Sache auffaſſen, und was wohl Münzer bei einer ſolchen Gelegenheit ſprechen würde. Er ſah im Geiſt auf der Rednerbühne den gewaltigen Mann ſtehen; er glaubte ſeine tiefe, weiche Stimme zu hören, undeutlich erſt, dann deutlicher und immer deutlicher, zuletzt jedes Wort, wie es von den beredten Lippen über die athemloſe Menge zuckte:„O, glaubt es nicht, was eure Gegner ſagen! Es iſt kein leeres Spiel, was ihr da treiben wollt, und keine eitle Ehre iſt es, die ihr erſtrebt. Mögen Weiſere, als ihr, beſtimmen, was Recht iſt, und berathen, was Noth thut; aber um ihren Beſchlüſſen Nachdruck zu verſchaffen, um zu bewirken, daß die Stimme des Senats nicht ungehört verhalle auf dem brauſen⸗ den Forum, dazu bedarf's der jungen, rüſtigen Kraft, bedarf's ſolcher,


