Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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Erſter Band. 39

ſchaft, ja ſelbſt durch ſeine Schönheit und ſeine vielfachen Talente geſichert ſchien. Durch dieſe Heirath ſei er aus ſeiner Carriere ge⸗ riſſen, mit allen ſeinen Verwandten zerfallen, vorzüglich mit der alten Ercellenz auf Rheinfelden, der es nur ein Wort koſte, um den Vater aus all den Verlegenheiten zu reißen, in die er, der zum Geſchäfts⸗ mann gewordene Cavalier, bei ſeiner erklärlichen Unbeholfenheit im Handel und Wandel, nothwendig gerathen mußte.— Dieſe Ver⸗ legenheiten des Vaters, in die der ſcharfſinnige Knabe durch die Mit⸗ theilungen ſeiner Mutter, durch manche häusliche Scenen, deren un⸗ freiwilliger Zeuge er iſt, nur zu früh und doch nur unvollſtändig eingeweiht wird, ſind wie eine dunkle Wolke, die ihren Schatten über das ſonnige Land ſeiner Jugend wirft und ihn zu einer Zeit, wo der Horizont anderer Knaben nicht über das Haus und die Schule hinaus⸗ reicht, über die ernſten Conflicte des Lebens nachzudenken zwingt. Anderes kommt hinzu, den früh geweckten Hang zum Grübeln wach zu erhalten. Die Nachbarskinder verſpotten ihn wegen ſeiner ge⸗ wählteren Sprache und ſeiner beſſeren Manieren, und werfen ihm vor, daß er ein„Herr von“ ſei, und die jungen Adligen in der Schule rümpfen die Naſe über ihn, weil ſein Vater„an der Börſe ſpeculire.“ Der vornehmen Verwandten ſeines Vaters, die er kaum von Anſehen kennt, die ſeinen Vater, ſeine Mutter, ihn ſelbſt voll⸗ ſtändig verleugnen, hört er mit größerer Achtung erwähnen, als der plebejiſchen Verwandten ſeiner Mutter, von denen er ſelbſt ſtets nur Gutes und Liebes erfahren hat, von denen er weiß, daß ſie ſeinen Vater vielfach mit Rath und That unterſtützt haben. So wühlt der Zweifel an dem Werth der beſtehenden Verhältniſſe immer tiefer in ihm; aber an dieſem Zweifel, der ſich manchmal zu einer völligen Verzweiflung ſteigert, erſtarkt der Charakter des Knaben, feſtigt ſich der Entſchluß des Jünglings: für ſeine Perſon das Rechte zu thun und, ſoviel an ihm iſt, dafür zu wirken, daß Recht und Gerechtigkeit auf Erden geübt werde.

In dieſer Richtung ſeines Geiſtes beſtärkt ihn vor allem der vertraute Verkehr mit einem ſeiner früheren Lehrer, den der Conflict, in welchen ſeine Freiſinnigkeit mit den im Staate herrſchenden Grund⸗ ſätzen gerathen iſt, ſein Lehramt niederzulegen gezwungen hat, und der