„ 36 Die von Hohenſtein.
gräulichen Geſchichten von Blaubart und dem Jungen, der ausging, das Gruſeln zu lernen, verlegt hatte. Und ſah es nicht beinahe ſo
aus, wie das Schloß ſeiner Knabenphantaſien? War ihm nicht heute Morgen ſchon der Gedanke gekommen, als er mit der übrigen Geſell⸗ ſchaft unter Madames Führung durch das Haus gewandert war, und
die lange Flucht der Zimmer mit der verſchoſſenen Pracht der Damaſt⸗ meubel und den gemalten Geßner'ſchen Idyllen ſich ſeinen erſtaunten Blicken erſchloſſen hatte? zuletzt die Rüſtkammer, die der Großonkel in früheren rüſtigeren Jahren angelegt hatte, ein ganzer Saal voll von Gewaffen aus alten und neuen Zeiten: römiſche Schwerter, die in Rheinfelden ſelbſt bei einer Fundamentlegung ausgegraben waren,
Hellebarden, Morgenſterne, Streitärte, Streitkolben, zweihändige Schwerter, Türkenſäbel, lange und kurze Dolche und ſonſtige Mord⸗ werkzeuge, unter anderen eine vollſtändige und ſehr werthvolle Samm⸗ lung aller Arten von Büchſen, Flinten, Karabinern und Piſtolen, die während der Befreiungskriege in den verſchiedenen Armeen der kämpfen⸗ den Völker im Gebrauch geweſen waren.— Und nun gar dieſer Park, der in ſeiner Verwüſtung noch älter und wunderlicher ausſah, als das Schloß, weil der Gegenſatz der ausgelebten, verſchnörkelten Formen der urſprünglichen Anlage mit der ewig jungen, ungebundenen Kraft der Natur um ſo deutlicher hervortrat. Seit einem Jahrzehnt ſchien keine ordnende Menſchenhand hier thätig geweſen zu ſein. In dem trocknen Laub, das ſo viele Herbſtſtürme unter den breitkronigen Kaſtanienbäumen zuſammengeweht, hätte ſich Odyſſeus mit allen ſeinen Genoſſen verbergen können. Ein ſtattliches Gewächshaus in der Nähe des Schloſſes war eine öde, mit Topfſcherben, faulenden Brettern und wucherndem Unkraut angefüllte Ruine, in welcher die eben ausgeflogene erſte Brut unzähliger Spatzenneſter lärmte. Nicht viel beſſer war es einem kleinen, von hohen Bäumen überſchatteten Tempel ergangen, welcher, wie eine kaum noch leſerliche Inſchrift beſagte, von dem Erbauer„der Freundſchaft“ gewidmet war. Zwiſchen den Trümmern des zum größten Theil eingeſtürzten Kuppeldaches, das in ſeinem Fall die pausbäckigen Genien von den Poſtamenten geſchlagen hatte und jetzt den Boden fußhoch bedeckte, mußten, nach den umhergeſtreute
Federn und abgenagten Vogelknochen zu ſchließen, Füchſe und Marde


