Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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Erſter Band. 35

„Wenn ich nicht zufällig wüßte, daß dies Wirklichkeit wäre, ſo würde ich glauben, ich träumte es nur, oder läſe es in einem Roman.“

Camilla ſenkte die ſeidenen Wimpern:„Komme ich Ihnen wie eine Romanprinzeſſin vor?“

„Das nicht; aber dieſe ganze Umgebung ſteht in ſo gar keiner Verbindung mit meinem ſonſtigen Leben, Thun und Treiben, daß ich mir wie in einer fremden Welt vorkomme. Wie lange gedenken Sie denn eigentlich hier zu bleiben?“

„Ich weiß nicht, was der Großonkel und Mama darüber be⸗ ſtimmt haben. Und Sie?“

„Ich weiß es wahrhaftig auch nicht; nicht zu lange, hoffentlich; ich bin ſo ſchon in grauſamer Verlegenheit, wie ich die paar Tage, die ich der Grille des Großonkels wohl werde opfern müſſen, hin⸗ hringen ſoll.“

„Das iſt ſehr ungalant, Vetter,“ ſagte Camilla mit einem ſchel⸗ miſchen Blick der ſanften, braunen Augen.

„Warum?“ erwiderte der junge Mann in ungekünſtelter Ver⸗ wunderung.

„Ich muß in's Haus, mit Madame über mein Zimmer zu ſprechen. Entſchuldigen Sie mich.“

Camilla nickte vornehm mit dem Kopfe— eine Kunſt, in welcher die junge Dame excellirte— und ging in's Haus.

Wolfgang ſchaute ihr ein paar Augenblicke nach. Er hatte das unbeſtimmte Gefühl, die junge Dame beleidigt zu haben; aber er war mit ſeinen eigenen Gedanken zu beſchäftigt, um ſich die Sache ſehr zu Herzen zu nehmen.

Er ſchlenderte in den Park— was ſollte er anders thun?— und irrte auf's Gerathewohl in den verwilderten Gängen umher. Die Situation, in welche er ſich ſo plötzlich und ſo ganz ohne ſein Zuthun, ja im Grunde gegen ſeinen Wunſch und ſeine Neigung ver⸗ ſetzt ſah, war ſo eigenthümlich, daß er lange über jenen traumartigen Zuſtand, den er gegen Camilla angedeutet, nicht hinauskommen konnte. — Dies war alſo das Haus ſeines Großonkels, von welchem ſeine Eltern ſo oft geſprochen— das Haus, welches ihm immer als das Muſter aller„verwunſchenen“ Schlöſſer erſchienen war, wohin er alle

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