34 Die von Hohenſtein.
Fünftes Capitel.
Am nächſten Mittag waren außer Camilla und Wolfgang Nie⸗ mand von dem geſtrigen Beſuch auf Schloß Rheinfelden. Zwar wurde die Präſidentin, die mit den Andern in die Stadt gefahren war, auf den Abend zurückerwartet; aber es war ja klar, daß ſie nur als dame d'honneur ihrer ſchönen Töchter figurirte und daß die Einladung im Grunde nur dieſer letzteren galt. So hatte auch die Präſidenten die Sache angeſehen. Sie hatte noch geſtern Abend ihre liebe Camilla mit Thränen in den Augen umarmt und ihr zu dem günſtigen Eindruck, den ſie offenbar auf den Großonkel gemacht habe, gratulirt. Auch der Stadtrath war nach einer zweiten Unterredung mit dem General ſehr aufgeregt zu ſeinem Sohne, der mit den Damen im Garten promenirte, gekommen, hatte ihn auf die Seite gezogen und ihm mitgetheilt: ſeine Ausſöhnung mit dem Großonkel ſei voll⸗ kommen; er(der Stadtrath) knüpfe an dies freudige Ereigniß— das er übrigens nach dem verbindlichen Einladungsſchreiben erwartet
habe— die froheſten Hoffnungen für die Zukunft. Der General
wünſche den Großneffen, den er nicht ganz ohne ſeine Schuld— denke Dir, Wolfgang!— ſo ſpät kennen gelernt habe, noch ein paar Tage bei ſich zu behalten.„Das kann zu etwas führen,“ ſagte der Stadtrath, indem er ſich vergnügt die Hände rieb.„Thu's mir zu Liebe, Wolf!“ ſagte die Mutter, die unterdeſſen hinzugetreten war und bemerkt hatte, wie ihres Sohnes Geſicht ſich bei des Vaters Worten immer mehr verdüſterte.— Eine Stunde ſpäter waren die Präſidentin und Aurelie, Arthur und Margarethe in dem großen Staatswagen des Generals abgefahren, und Wolfgang und Camilla hatten, vor der Hausthür ſtehend, dem Wagen nachgeſehen, bis der⸗ ſelbe aus dem großen Thor des Schloßhofes hinaus war. Madame, die in ganz beſonders gnädiger Laune den Herrſchaften in den Wagen geholfen hatte, war in's Haus getreten, und die jungen Leute blickten einander an. Wolfgang fing an zu lachen.


