Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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Erſter Band. 33

Bei dieſen Worten fixirte der alte Mann ſcharf den Obriſten und ſeine Familie.

Der Obriſt hatte einige Augenblicke etwas abſeits von der Geſell⸗ ſchaft leiſe und heftig mit ſeiner Frau und ſeinen Söhnen geſprochen. Er wollte augenblicklich fort, er wollte ſich nicht länger zum Narren haben laſſen; es ſei ja offenbar, daß dieſe ganze Scene ihnen zum Hohn von dem Alten gefliſſentlich arrangirt ſei. Selma, die, klug und berechnend, wie ſie war, ſah, wie die Sachen lagen, und daß hier nichts Anderes übrig bleibe, als gute Miene zum böſen Spiel zu machen, hätte jetzt gern eingelenkt, aber der Obriſt blieb taub, und wenn die Obriſtin unter andern Umſtänden das Spiel auf eigene Rechnung und Gefahr weiter geſpielt haben würde, ſo zwang ſie jetzt Odo's noch immer unerledigte Angelegenheit mit dem erzürnten Gatten zugleich abzureiſen. Die letzten nicht mißzuverſtehenden Worte des Generals gaben den Ausſchlag.

So traten ſie denn auf ihn zu, der eben den Arm ſeines Dieners nahm, und der Obriſt ſagte:

„Ich muß leider um die Erlaubniß bitten, mich mit den Meinen ſofort beurlauben zu dürfen; die Pflicht ruft mich nach der Stadt zurück.“

„Wollt ſchon fort? Na, reiſt mit Gott, Kinder, reiſt mit Gott!“ ſagte der Alte, und dabei nickte er mit dem kahlen Kopfe ſo eifrig und die Borſten über den Augen zuckten ſo ſchnell auf und nieder, daß die Freude über den gelungenen Streich nur zu erſichtlich war.

Auch der Präſident trat heran, um ſich für ſeine Perſon zu empfehlen.

„Für Deine Perſon?“ rief der General,„habe nichts dagegen; aber Deine Frauenzimmer bleiben hier. Keine Widerrede!— Ma⸗ dame, geleiten Sie Frau Arthur von Hohenſtein in ihre Zimmer.— Großneffe Wolfgang unterhalte die Damen, zeige, daß Du außer Deinem Jus noch was gelernt haſt. Und Du, Neffe Arthur, gieb mir Deinen Arm und bringe mich auf mein Zimmer, ich habe mit Dir zu ſprechen.“

Fr. Spielhagen's Werke. vI. 3