82 Die von Hohenſtein.
„Welch' ſchöner Name!“ rief Camilla, die dargebotene Hand der Dame mit Enthuſiasmus ergreifend.
Während unterdeſſen Arthur ſich zu ſeinen Brüdern wandte, von denen der Präſident mit glatter Freundlichkeit, der Obriſt hingegen mit kaltem Stolz ſeine verbindlichen Worte hinnahm, hatte Wolfgang nach einem Gruße, in den ſich die ganze Geſellſchaft theilen mußte, ruhig dageſtanden, die ſchönen, ernſten Augen nur immer auf die Mutter gerichtet, als ob dieſe ganze Scene, nur in ſo weit ſie die Mutter berührte, für ihn von Intereſſe und Bedeutung ſei.
„Wie heißt denn Du?“ ſchrie plötzlich der General vor den Jüngling hintretend und ihn in ſeiner rohen Weiſe vom Kopf bis zu den Füßen muſternd.
„Wolfgang!“ erwiderte der Jüngling, ohne ſich im mindeſten durch die ſtechenden Augen unter den zuckenden Haarbüſcheln ein⸗ ſchüchtern zu laſſen.
„Wie alt biſt Du?“
„Einundzwanzig Jahre.“
„Was treibſt Du denn?“
„Ich ſtudire Jura. Aber verzeihen Sie, ich ſehe, daß die Mutter meiner bedarf.“.
Damit wandte ſich Wolfgang von Hohenſtein mit einer leichten Ver⸗ beugung von dem General ab, der ihm erſtaunt nachſah, trat an ſeine Mutter heran und ſagte:„Willſt Du Dich nicht ſetzen, liebe Mutter?“
Er nahm die ſchöne Dame, die in der That von Minute zu Minute blaſſer geworden war, am Arm, führte ſie einige Schritte aus dem ſie umgebenden Kreiſe heraus nach einem Fauteuil, und ſagte, indem er ſich über ſie beugte, leiſe:„Du biſt ſehr angegriffen, Mama; ruhe Dich erſt etwas aus!“
„Aber was werden—“
„Die Leute denken? was ſie wollen. Ich bleibe bei Dir.“
Excellenz hatte ſich unterdeſſen an der von ihr ſo ſinnreich arran⸗ girten Familienſcene hinreichend geweidet.
„Proſit Mahlzeit, Kinder!“ rief er,„amüſirt Euch ſo könnt; ich muß Euch bis morgen Adieu ſagen; oder iſt Jemand hier, der heute ſchon Abſchied zu nehmen wünſcht?“


