Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Erſter Band. 31

„Das iſt mir ja höchſt unangenehm zu hören,“ ſchrie der General, „das ſetzt mich ja in die größte Verlegenheit! Ich dachte es recht gut zu machen, wenn ich Euch auf Eure alten Tage mal wieder zu⸗ ſammenbrächte; aber freilich, wenn die Sachen ſo ſtehen— ich fürchte nur, es iſt jetzt ſchon zu ſpät— na! fage ich's nicht? da haben wir's!“

Die große Flügelthür ſprang auf und herein traten ein ſtattlicher Herr, der eine ſchöne, blaſſe Dame am Arm führte und ein junger, hochgewachſener Mann, hinter dem, als er hereingetreten war, die Thüren von den Bedienten geſchloſſen wurden.

Die Ankunft Onkel Arthurs, ſeiner Gattin und ſeines Sohnes, des Studenten Wolfgang, kam ſo unerwartet und war für die meiſten Mitglieder der Familie ſo peinlich, daß ſie ſich wie elektriſirt von ihren Stühlen erhoben, unter ihnen, Alle noch um eines Hauptes Länge überragend, die alte Excellenz, die höhniſch ſchrie:

„Proſit Mahlzeit, Kinder! Laßt's Euch gut bekommen, Kinder! S ift ſo hübſch, wenn Brüder einträchtiglich bei einander wohnen. Guten Tag, lieber Neffe Arthur! Das da iſt Deine Frau, und das Dein Sohn? Freut mich, Euch kennen zu lernen.— Das hier ſind Eure lieben Verwandten— Obriſtin von Hohenſtein, geborene Gräfin von Düren⸗Lilienfelde—“

„Ich habe bereits die Ehre,“ ſagte die Obriſtin, die ganz blaß vor Zorn geworden war, indem ſie ſich mit erzwungener Höfligkeit verbeugte.

„So? haſt bereits die Ehre? Freut mich, freut mich!“ ſchrie der Alte,„iſt ja mehr, als ich erwartet habe. Haſt auch vielleicht ſchon die Ehre, Nichte Clotilde?“

„Gewiß, gewiß!“ ſagte die Präſidentin,„wir haben uns ſchon öfter von ferne geſehen; es freut mich ungemein, meine Schwägerin auch einmal perfönlich kennen zu lernen; ſeien Sie mir herzlich ge⸗ grüßt!“ und die Präſidentin trat auf die ſchöne, blaſſe, vor Auf⸗ regung zitternde Dame zu und ſchloß ſie in die Arme.„Dies ſind meine Töchter, Aurelie und Camilla. Liebe Kinder, dies iſt Eure Tante—“

„Margarethe,“ ſagte die blaſſe Dame gutmüthig lächelnd, als die Präſidentin plötzlich in großer Verlegenheit inne hielt.