Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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Erſter Band. 29

Lager herrſcht eine gräuliche Verwirrung. Sie wiſſen nicht, wen ſie für Mainſtadt und wen ſie für die Reſidenz wählen ſollen, um ſo weniger als es, wie Sie ſich denken können, gar ſehr an Capacitäten mangelt, und überdies die Führer in ihren Anſichten himmelweit aus⸗ einandergehen. An der Spitze der Radicalen, die am liebſten Alles mit Stumpf und Stiel ausrotten, um ihr Utopien auf eine tabula rasa zu bauen, ſteht mein ſehr ehrenwerther Mitbewerber, der Dr. Münzer. Er iſt Präſident des ſogenannten demokratiſchen Vereins, und hat die Maſſe für ſich, weil er, wenigſtens dem Namen nach, Katholik und von Geburt ein Rheinländer iſt— kein kleines Verdienſt in den Augen eines Volkes, das uns Proteſtanten aus den öſtlichen Provinzen immer noch mit großem Mißtrauen betrachtet, beſonders in neueſter Zeit, wo die Geiſtlichen nach dieſer Seite hin arg gewühlt haben.— Neben jenen demokratiſchen Ultra's beſteht eine ſogenannte conſtitutionelle Partei, in der ſich Alles zuſammenfindet, was nicht geradezu den Umſturz will, vom ſtreng conſervativen Royaliſten bis zu dem liberalen Bourgevis, deſſen drittes Wort Conſtitution iſt. Ich geſtehe, daß ich ſelbſt im Intereſſe der guten Sache es für räthlich gehalten habe, für einige Zeit dem Namen nach zu dieſer Partei, die ſich ebenfalls in einem Vereine conſtituirt hat, zu gehören, obgleich man dabei aller⸗ dings mit Leuten in Berührung kommt, denen man ſonſt im Leben gefliſſentlich ausweicht.“

Während dieſer Unterredung war der Nachtiſch aufgetragen, und da der General ganz gegen ſeine Gewohnheit nicht nur durch ſein Beiſpiel, ſondern zuletzt ſogar direct zum Trinken aufgefordert hatte, ſo fing eben eine etwas beſſere Stimmung FPlatz zu greifen an, als man während der letzten Worte des Präſidenten das dumpfe Rollen eines Wagens auf dem Schloßhof vernahm. Der General gab der ihm gegenüberſitzenden Brigitte ein kaum merkliches Zeichen mit den buſchigen Brauen, worauf die Haushälterin den Tiſch verließ. Von den übrigen hatte Keiner auf dieſen Vorgang geachtet, denn der General hatte alsbald, zum Präſidenten gewandt, die Frage auf⸗ geworfen:

„Nun, und Dein Bruder Arthur? Ich leſe ja in den Zeitungen, daß er in Deinem Vereine das große Wort führt.“„