Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22 Die von Hohenſtein.

Der Alte grinſte höhniſch hinter ihr her.„Möchte vor Aerger berſten,“ ſagte er,„wollte nur, ſie thät's; ſchickte nach keinem Chirur⸗ gen, ſie wieder zuſammenzuflicken. Nun komm, kleine Hexe, ſo!“

Der General legte ſeinen Arm um den Nacken des jungen Mäd⸗ chens und ließ ſich von ihr durch das nächſte Zimmer— ſein Schlaf⸗ cabinet— in ein zweites, daran ſtoßendes führen. Hier ſetzte er ſich in einen bequemen Armſtuhl, und Camilla, welche ſeine Bedürfniſſe wohl kannte, rückte mit geſchäftiger Emſigkeit die Fußbank zurecht und hüllte ſeine Füße in die wollene Decke.

„Biſt ein Blitzmädel,“ ſagte der Alte, mit den zitternden Händen das rundliche Kinn des jungen, vor ihm knieenden Mädchens ſtrei⸗ chelnd;„machſt das ſo geſchickt, als ob Du Dein Leben lang nichts gethan hätteſt, als alte Knochen in Flanell wickeln; und hübſch biſt Du, wie die Sünde, daß muß Dir Dein Feind laſſen.“

„Es freut mich, wenn ich Ihnen gefalle, Großonkelchen,“ ſagte Camilla, ſich aufrichtend und den General ſchelmiſch aus ihren ſanften Augen anlächelnd.

„Freut Dich, freut Dich? ſo, warum denn?“

„Weil Sie mich dann vielleicht ein bischen bei ſich behalten und mir die Freude gönnen, Sie recht zu pflegen,“ ſagte Camilla, die eine der Hände des Großonkels ergreifend und an ihren Buſen drückend.

„Ei, der tauſend!“ kicherte der Alte,„wie das Mädel ſpricht, wie ein Buch; Freude gönnen— Großonkelchen pflegen! Haſt Deine Lection gut auswendig gelernt; ſollſt ein Stück Zucker haben, kleiner Papagei. Na, na, brauchſt nicht roth zu werden! Wie die Alten fungen, zwitſcherten die Jungen!“

„Ich bin kein Papagei, Großonkel!“ ſagte die junge Dame;„was ich ſage, das meine ich auch.“

„Wirklich, wirklich? Und wenn ich Dich nun beim Wort nähme, wie lange würdeſt Du es denn bei dem Alten aushalten?“

„Das käme auf einen Verſuch an, Großonkel. Laſſen Sie mich bei Ihnen bleiben, und wenn Sie mich nicht mehr leiden können, ſchicken Sie mich wieder weg.“

„S Mädel iſt nicht ſo dumm, wie es ausſieht,“ ſagte der