Erſter Band. 19
und Hochs auf Schleswig⸗Holſtein, ja ſogar auf die künftige deutſche„ Republik ausgebracht hatten, auf das empfindlichſte beleidigt worden. Nur mit Mühe hatte der Präſident ihn bereden könren, in die Cajüte hinabzugehen, um dem Uebermuth der jungen Leute, die es offenbar auf den finſtern Obriſt abgeſehen hatten, auszuweichen. Unten in der Cajüte hatte dann zwiſchen den Brüdern eine Unterredung politiſcher Natur ſtattgefunden, im Verlauf welcher der Militär den Büreaukraten geradezu der Feigheit bezüchtigte und andere Beſchuldigungen vor⸗ brachte, welche auch ein diplomatiſch geſchultes Gemüth zum mindeſten nicht ohne eine innere Erregung hinnimmt.
So ging man denn äußerſt verſtimmt und mißmuthig hinter einander her, durch die Kornfelder und Weingärten den Weg nach dem Schloſſe, voran der Obriſt und ſeine Frau, die nicht wagte, ihren Gatten mit der bewußten fatalen Angelegenheit zu behelligen; ſodann der Präſident mit ſeinen Damen, welche die betrübenden Er⸗ lebniſſe des Morgens mittheilten, zuletzt die beiden jungen Herren, die es gar nicht mehr der Mühe werth hielten, eine Converſation anzuknüpfen.
Unterdeſſen hatte Camilla die Stunde für den Plan, welcher heute Morgen während der Unterhaltung im Park in ihrem feinen klugen Köpfchen plötzlich aufgeſchoſſen war, ſo gut es gehen wollte, zu benutzen geſucht, und, da hübſchen Kindern das Glück, wie billig, hold iſt, Zeit und Mühe keineswegs verloren.
Mutter und Schweſter und die Verwandten waren kaum aus dem Hauſe, als die junge Dame aus ihrem Zimmer zu„Madame“ in die Küche kam, und die Geſtrenge um etwas Weineſſig bat, mit dem ſie ihre ſchmerzenden Schläfen waſchen wr e. Eine ſo be⸗ ſcheidene, und noch dazu in ſo freundlich⸗demüthigem Tone vorge⸗ tragene Bitte konnte ſelbſt Madame nicht wohl abſchlagen. Sie hatte
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