Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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18. Die von Hohenſtein.

die freilich in der Stimmung, in welcher ſie waren, ſehr wenig zur Heiterkeit der Geſellſchaft beitragen konnten. Glücklicherweiſe ſah man, kaum im Dorfe Rheinfelden angelangt, das Dampfſchiff ſchon den Strom herabkommen. Wenige Minuten ſpäter ſtiegen die Brüder aus dem Boote, welches ſie vom Schiffe abgeholt hatte.

Die beiden Brüder von Hohenſtein hatten außer der übermäßig langen und hagern Statur wenig Aehnlichkeit mit einander. Philipp von Hohenſtein, der Präſident, war von dem Scheitel ſeines kleinen, wohlgeformten Kopfes mit dem dunklen, kurzgehaltenen, hier und da ſchon ergrauenden Haar bis zu den Sohlen ſeiner eleganten Lack⸗ ſtiefeletten jeder Zoll der hohe Staatsbeamte aus der vormärzlichen Schule. Mit den feinen Zügen ſeines glattraſirten Geſichts ſtimmte 5 Alles an ihm auf das vollkommenſte: die ruhige, diplomatiſche Hal⸗ tung, die leiſe Stimme, ja ſelbſt das weiche, ſchwarze Tuch ſeines Fracks, in deſſen Knofloch das Band des blauen Geierordens zweiter Klaſſe zierlichſt befeſtigt war.

Wenn bei dem Präſidenten, die Abſicht, zu gewinnen, faſt allzu erſichtlich hervortrat, ſo konnte man von dem Obriſten beinahe das Gegentheil behaupten. Sein von der Sonne verbranntes, mit einem militäriſch kurzgeſchorenen, offenbar ſchwarz gefärbten Bart bedecktes Geſicht war ſo wenig als möglich anziehend. In ſeinen grauen Augen lag jene Starrheit, die auf ein heftiges unliebenswürdiges Tempera⸗ ment ſchließen läßt. Seine Stimme war, ſei es durch das Comman⸗ diren auf dem Exercierplatz, ſei es durch organiſche Urſachen, unan⸗ genehm rauh und heiſer. Wenn man den Mann ſah, ſo glaubte man gern die Geſchichten, die man ſich von ſeiner Rohheit und Brutalität gegen die Untergebenen erzählte, denn ſelbſt ſeine Galanterie gegen die Damen hatte etwas Höhniſches und Cyniſches, wie man es oft in dem Betragen von Wollüſtlingen findet.

So waren die beiden Männer, welche an dem Ufer von den Ihrigen begrüßt wurden. Es ſchien heute ein Unglücksſtern über der ganzen Familie Hohenſtein zu walten; man konnte auf den erſten Blick ſehen, daß auch die Laune der beiden Herren nicht die beſte war. Der Obriſt war auf dem Dampfſchiffe durch das Benehmen einer Schaar junger Männer aus dem Volke, die Freiheitslieder geſungen