—
Erſter Band. 17
nicht ſo, daß Du am Ende gar noch krank wirſt. Laß Dir vor Allem der Tante gegenüber nichts merken; wir wollen etwas ſchneller gehen, damit unſer Zurückbleiben nichtauffällt.“
Dies Zurückbleiben war in der That ſchon bemerkt und von der ſcharfſinnigen Aurelie ziemlich richtig gedeutet worden.„Der gute Odo wird heute etwas beſonders Schweres zu beichten haben,“ meinte ſie.„Wo ſeid Ihr jungen Herren denn heute Nacht noch geweſen, als Ihr von uns ginget? Herr von Brinkmann, dem wir heute Morgen zu Pferde begegneten, meinte: es würde bei Catalini wohl noch ein kleines Spielchen gemacht ſein.“
„Ah bah, Couſine, wie kannſt Du glauben, daß nach der Auf⸗
—regung eines Balles, und noch dazu eines ſo deliciöſen Balles, die
Aufregung des Spiels noch von irgend einem Intereſſe ſein könnte.“
„Freilich,“ erwiderte Aurelie,„beſonders für Jemand, um den ſich, wie um Dich, die hübſcheſten Damen reißen! Was braucht der noch die todten Kartendamen!“
„Und doch ſoll auch Dein erklärter Anbeter, Herr von Brink⸗ mann, dieſer letzten Sorte nicht ganz gram ſein.“
„Wer hat Herrn von Brinkmann zu meinem Anbeter erklärt?⸗ fragte das junge Mädchen nicht ohne einige Heftigkeit.
„Nun, ohne allen Grund wird er doch heute Morgen um ſechs Uhr nicht ſchon im Sattel geweſen ſein,“ lachte der Lieutenant.
„Ich finde, daß Du den Scherz etwas zu weit treibſt, lieber Kuno,“ ſagte die Präſidentin, um ihrer Tochter, die allerdings den hübſchen Huſarenofficier ganz beſonders auszeichnete, zu Hülfe zu kommen.
„Ich habe nicht angefangen zu necken,“ ſagte Kunv.
„Dafür biſt Du auch Cavalier, und mußt Dir von den Damen etwas gefallen laſſen können, ohne ausfallend zu werden.“
Kuno wollte etwas erwidern, hielt es aber für gerathener, die Mutter der ſchönen Camilla, die er, ſo weit ſeine Blaſirtheit ein ſolches Gefühl überhaupt noch aufkommen ließ, halb ihrer Schönheit wegen und halb aus Eitelkeit liebte, nicht zu erzürnen. Die Unter⸗ haltung wollte indeſſen nicht wieder in Gang kommen, und man ließ
ſich deshalb nicht ungern von den beiden Zurückgebliebenen einholen, Fr. Spielhagen's Werke. VII. 2


