Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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Erſter Band. 11

und doch, um den Scandal zu vermeiden, die Partie ruhig zu Ende ſpielen müſſen. Der Obriſtin ſchien dieſe Rolle am leichteſten zu werden. Sie bedauerte, nicht geſtern Abend daran gedacht zu haben, daß man ja ſo gut hätte zuſammen herausfahren können. Der Obriſt komme um zwei Uhr mit dem Dampfſchiff auch der Präſident? nein, wie reizend ſich das trifft! Sie werden wohl auch noch zu früh kommen! Der liebe gute Onkel ſchläft gewiß noch. Wir ſtehen hier nun ſchon ſeit einer Viertelſtunde, und der Kilian er heißt ja wohl Kilian? den wir hineingeſchickt haben, kommt nicht wieder. Auch Madame läßt ſich nirgends entdecken. Habt Ihr denn ſchon das gute alte Geſchöpf geſehen? Auch noch nicht? Aber Kinder, da geht es Euch ja noch ſchlechter wie uns. Warum ſeid Ihr auch ſo früh von Hauſe gefahren! Und die armen Blumen, wie die ſchon verwelkt ſind! Wer wird aber auch ſo koſtbare Blumen kaufen? Ihr habt ja ein ganzes Vermögen hineingeſteckt! Da ſeht meinel die halten ſich beſſer und koſten nicht halb ſo viel!

Es können auch nicht alle ſo gute Hausfrauen ſein, wie Du, Tante Selma, bemerkte Aurelie, die ihrer Mutter zu Hülfe kommen zu müſſen glaubte.

Es haben auch nicht alle Leute ein Vermögen zu verzehren, erwiderte die Obriſtin, auf der Präſidentin allbekannte Verſchwen⸗ dungsſucht anſpielend.

Wahrſcheinlich wären dieſe Reibereien, zumal bei der augenblick⸗ lich ſehr gereizten Stimmung beider Parteien, wie ſchon oft bei ähn⸗ lichen Gelegenheiten, in einen Wechſel ſcharfer und beleidigender Worte ausgeartet, wenn nicht in dieſem Augenblicke Frau Brigitte, eine ungeheure Haube auf dem Kopf und einen gewaltigen Schlüſſel⸗ bund an dem Gürtel, oben auf der Galerie, welche ſich um den ganzen, durch beide Stockwerke des Schloſſes reichenden Flur zog, erſchienen wäre. Nachdem ſie, ſich über die Brüſtung lehnend, ein paar Momente die Geſellſchaft gemuſtert und ſich im Stillen an der kläglichen Situation derſelben geweidet hatte, ſtieg ſie langſam die breite ſteinerne Treppe hinab, ſo daß die im Flur ſtehende hochadlige Geſellſchaft hinreichend Zeit hatte, ſich auf die ſchmachvolle Rolle die ſie zu ſpielen gezwungen war, vorzubereiten. Die Obriſtin war