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Erſter Band. 9
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Himmel. Als er auch dort Niemanden entdeckte, von dem die Rufe
möglicherweiſe ausgehen konnten, ſchien er die Sache als hoffnungs⸗ los aufzugeben. Er ſchüttelte die Zipfelmütze und ſchloß bedächtig das Fenſter.
„Hier, hier!“ riefen die Damen, aber die Stimmen klangen ſehr kläglich. Im nächſten Augenblicke war das blaue Rouleau wieder herabgelaſſen.
„Er hat uns nicht geſehen!“ ſagte die Präſidentin beinahe weinend.
„Oder nicht ſehen wollen!“ ſagte Aurelie.„Nimm's Dir nicht zu Herzen, Mamachen, wir wollen auch Alles thun, um dem Groß⸗ onkel zu gefallen. Der Gedanke, einmal hier einen großen Ball geben zu können, iſt wirklich zu ſchön!“—
Die muntere Aurelie faßte die Mutter um die Taille und zog ſie ſcherzend den Weg entlang, nach dem Schloſſe zu. Camilla folgte langſam. Die feinen Brauen leiſe zuſammengezogen und die ſeidenen Wimpern tief über die ſchwärmeriſchen Augen geſenkt, überlegte ſie: ob es wohl möglich, und wie es anzufangen ſei, daß der Großonkel ſie, Camilla von Hohenſtein, mit Uebergehung aller übrigen Ver⸗ wandten zur alleinigen Erbin von Rheinfelden mache.
Zweites Capitel.
Als die Damen durch die verfallene, epheuberankte Pforte auf den Schloßhof getreten waren, ſahen ſie ſtatt ihrer Equipage, die man unterdeſſen in den Schuppen gebracht hatte, ein paar Reitpferde am Zügel umherführen und eine offene Kaleſche, von der eben die Pferde abgeſchirrt wurden. Dieſer Anblick ſteigerte die Verſtimmung der Damen, wenn das noch möglich war. Während ſie im Garten nutzlos promenirten, waren Obriſt's angekommen, hatten ſich jedenfalls bereits melden laſſen und waren vielleicht ſchon vorgelaſſen worden.
„Aber ich werde dem Großonkel ſagen, daß wir ſchon ſeit zwei Stunden hier ſind,“ rief die Präſidentin, die ſo viel Unfälle aus ihrer


