Die von Hohenſtein.
Schlafſtube gerichtet. Als ſie ihre Promenade begannen, hatte dieſe ganze Seite des Schloſſes noch im Schatten gelegen. Sie hatten den Schatten allmälig verſchwinden ſehen; jetzt glänzte die ganze Fagade im hellen Sonnenſchein und noch immer wurden die blauen Rouleaux nicht aufgezogen. Bis jetzt hatte der General noch jedes Mal, wenn die Damen, die pflichtſchuldigen Geburtstagsgratulationen dar⸗ zubringen, gegen Mittag aus der Stadt gekommen waren, in ſeiner höhniſch⸗groben Weiſe„von Langſchläfern geſprochen, die ſelbſt eine alten Mann zu Liebe nicht aus den Federn kommen könnten,“ und heute, wo ſie es nun recht gut zu machen dachten, ließ er ſie warten! Niemand hatte ſie bei ihrer Ankunft willkommen geheißen; ſelbſt „Madame“ hatte ſich nicht ſehen laſſen! Nachdem ſie ſchon eine Viertelſtunde vor dem Portale gehalten, war endlich der alte grobe Bediente, der Kilian, herausgekommen, hatte geſagt: Excellenz ſchliefen noch und„Madame“ ebenfalls, und ob Frau Präſidentin wünſche, daß ausgeſpannt werde?... Die Präſidentin hatte ſich zwar nie⸗ mals eines beſonders gaſtfreundlichen Empfanges auf Rheinfelden zu erfreuen gehabt— aber ſo ſchlimm war es denn doch noch nicht geweſen.
Die Damen hatten eben zum einundfünfzigſten Mal das Ende des Ganges erreicht und wie ſie ſich nun umwandten, kam das Sonnen⸗ licht auch in den bis jetzt ſchattigen Weg und die Geſtalten erſchienen in der günſtigſten Beleuchtung.
Die Präſidentin von Hohenſtein war eine ſehr ſtattliche Dame im Anfang der vierziger Jahre. Collegen ihres Gemahls, geheime und andere Räthe, die ſie als Fräulein von Slick in der Reſidenz gekannt hatten, bevor Herr von Hohenſtein, damals Regierungs⸗ Aſſeſſor, ſich mit ihr vermählte, erinnerten ſich noch jetzt mit Ent⸗ zücken, wie ſchlank und fein Clotilde geweſen ſei, wie wunderbar ſchön ſie getanzt und wie ſie alle ihre Tänzer durch ihre Munterkeit und Laune zu feſſeln gewußt habe. Seitdem waren nun allerdings zwanzig Jahre vergangen und zwanzig Jahre können eine große Veränderung auch an der geſchmeidigſten und leichtfüßigſten Geſtalt und in dem ausgelaſſenſten Naturell hervorbringen. Clotilde war im Lanfe dieſer Zeit eorpulent und ſentimental geworden; ihre Züge, die ſich 116
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