158 Röschen vom Hofe.
und goldenen Düten auf's ſchönſte geſchmückt. Der Doctor hatte ſie dabei überraſcht, und in ſeiner ſchelmiſchen Weiſe geäußert: er wiſſe recht gut, was Roſe ſich zu Weihnachten wünſche; aber, was der Graf ſich wohl wünſchen möchte, das könne er für ſein Leben nicht heraus⸗ bekommen. Roſe ſagte: vielleicht falle es ihm noch ein; aber wenn auch nicht, ſo ſolle er nicht verſäumen, doch am Abend zu kommen, der Vater laſſe noch ganz beſonders darum bitten.
Roſe ſagte das in ihrem heiterſten Ton; nichtsdeſtoweniger konnte ſie eine gewiſſe nervöſe Erregung nicht bemeiſtern, die, jemehr die Dunkelheit draußen zunahm, immer ſtärker wurde. Sie hatte für das Wenzel ſche Ehepaar, für die Magd und für den Diener des Grafen die prächtigen Geſchenke, welche ihnen der Graf beſtimmt und die ein⸗ fachen Gaben, welche ſie ſelbſt ihnen zugedacht„aufgebaut“; hatte die Lichter angezündet, und als Alles in Feſtesſchmuck prangte, und ſie ſich ganz allein in dem Zimmer ſah— da wurde es ihr mit einem Male ſo weh um's Herz, daß ſie ſich in den alten Lehnſtuhl warf, in welchem ſonſt der Vater zu ſitzen pflegte, und in Thränen ausbrach.
Das Geräuſch der Thür, die in des Grafen Zimmer führte, machte ſie in die Höhe fahren. Es war der Graf, der an der Hand des Vaters eintrat, hinter ihnen der gute Doctor, der von den beiden hohen Geſtalten gänzlich verdeckt wurde. Roſe ſtand an allen Gliedern zitternd da; der Vater hatte die ſtolzen Augen voll Thränen; der Graf ſah ſehr bleich aus; man ſah, wie er nur mit Mühe ſeine tiefe Erre⸗ gung beherrſchte. Roſe hatte wohl in ihren Träumen ſchon die geliebten Beiden verſöhnt geſehen, ja ſie hatte geahnt, daß der Weihnachtsabend dieſe Verſöhnung bringen werde, aber, als ſie aus den Armen des Vaters an die Bruſt des Grafen ſank, da war ihr, als hätte ſie nichts geahnt und nichts gewußt von der Süßigkeit dieſes Augenblicks. Der Doctor wiſchte ſich die Augen, dann ergriff er die große ſilberne Glocke, die auf dem Tiſch neben Roſe geſtanden hatte, öffnete die Thür und läutete, daß die Vier, welche mit pochendem Herzen in der Küche ſaßen (Frau Wenzel mit dem Kind auf dem Arm), glaubten, nun ſtehe auch noch das alte Herrenhaus in Flammen.


