Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Röschen vom Hofe. 141

richten können. Andere meinten: er habe einem Leben, das er bei gänzlich zerrütteten Verhältniſſen doch im Schuldthurm beſchloſſen haben würde, freiwillig ein Ende gemacht.

Größere, zum mindeſten herzlichere Theilnahme erregte das Schickſal des Herrn von Weißenbach und des Grafen Lengsfeld. Man erfuhr, daß Beide noch lebten, daß man aber an ihrem Auf⸗ kommen zweifele; der Graf ſei gänzlich zerſchmettert, der alte Herr raſe in einem hitzigen Fieber. Man erging ſich in lauten Klagen über das arme Fräulein Röschen, die ſich in ihrer großen Gutherzigkeit noch an dem Unglückstage mit dem Kinde der todten Anne beladen habe, und nun den Vater und den Bräutigam unter ihren Augen ſterben ſehen ſollte. Daß der Graf Fräulein Röschen's Bräutigam ſei, hatte ſich mit einem Male im Dorfe herumgeſprochen. Man wußte nicht, wer das Gerede angefangen hatte; Einige ſagten; man habe es zuerſt in Lengsfeld erzählt, der Paſtor dort ſolle geäußert haben: un⸗ möglich ſei es nicht.

Bis zu Roſe ſelbſt drang das Gerücht. Frauen aus dem Dorf, die aus wirklicher Theilnahme denn Roſe war bei Alt und Jung beliebt oder aus Neugierde, zu wiſſen, wie es im Herrenhaus aus⸗ ſehe, ihre Dienſte anboten, fragten nach dem Herrn Bräutigam. Roſe widerſprach nicht: es war ihr ſo gleichgültig, was die Leute ſagten. Sie dankte freundlich für die angebotenen Dienſte; ſie ſei mit der Hülfe, die ihr zu Gebote ſtehe, vollkommen im Stande, das Nöthige zu ſchaffen.

Weitaus die größte und wichtigſte Hülfe leiſtete in dieſer ſchweren Zeit der alte treffliche Dorfarzt. Er war über Land geweſen und bereits auf der Rückkehr nach Weißenbach, als er das Feuer ſah, das nach ſeiner Berechnung auf dem Hofe ſein mußte. Sofort hatte er dem Knechte den Befehl gegeben, die Pferde zur äußerſten Eile anzu⸗ treiben und ſo war er denn wenige Minuten, nachdem das Unglück geſchehen, vor dem Hofthore aus dem Wagen geſtiegen. Da man jetzt nach Einſturz der Scheune des Feuers Herr werden zu können behauptete, hatte es keine Gefahr, wenn die Kranken in dem Hauſe blieben; ja es ſtellte ſich ſchon nach der erſten Unterſuchung heraus, daß der Graf gar nicht mehr transportirt werden konnte. Der Blut⸗