Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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140 Röschen vom Hofe.

Roſe ſteht wie vom Blitz getroffen. Dann heißt ſie mit ruhiger, klangloſer Stimme den Vater und den Grafen in das Zimmer neben dem Wohnzimmer bringen, wo ein ſehr langer und breiter Divan wenigſtens für den Augenblick ein Lager bietet.

weiundzwanzigſtes Capitel.

Der Morgen nach der Schreckensnacht brach trüb herein. Es hatte nach Mitternacht zum erſten Mal in dieſem Herbſt geſchneit. Aus dem weißen Schleier ragten die ſchwarzen rauchenden Trümmer doppelt grauſig hervor. Der Hof war gänzlich eingeäſchert; Jeder⸗ mann erklärte es für ein halbes Wunder, daß das Herrenhaus, einige Brandflecken auf Dach und Wänden und einige zerſprungene Scheiben abgerechnet, unverſehrt geblieben war. Schon war es kein Geheimniß mehr, wie das Feuer entſtanden. Daß es angelegt ſein müſſe, darüber waren ſchon während der Nacht Alle einig geweſen und jetzt wußte man auch, wer es gethan. Etwas unterhalb des Hofes in dem ſehr tiefen und jetzt durch den unendlichen Regen noch mehr als gewöhnlich waſſerreichen Graben, der hier zwiſchen dem Park und den Feldern hinlief und jenſeit der Landſtraße in den Weißenbach mündete, fand man die Leiche des Wirthes vom Rothen Hirſchen, der ſchon ſeit geſtern Abend vermißt wurde. Er hatte in der letzten Zeit wiederholt ge⸗ äußert, daß erdem gnädigen Herrn ſeinen Hochmuth noch eintränken wolle. Noch am verfloſſenen Tage hatte er in der Trunkenheit viel ſchlimmere Drohungen ausgeſtoßen. Zum Ueberfluß fanden ſich in 6 ſeinen Taſchen mehrere Schachteln voll Streichhölzer, ſowie Schwefel⸗ fäden, Stahl und Stein. Offenbar hatte er, nachdem er ſeine That vollbracht, ſich hinter dem Hofe wegſchleichend, über den Graben ſpringen wollen, um dann das freie Feld zu gewinnen und von einer anderen Seite in's Dorf zurückzukehren; war dabei ausgeglitten oder zu kurz geſprungen und hatte in der Trunkenheit ſich nicht wieder auf⸗