Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Röschen vom Hofe. 131

ich aufgeregt war von einer Scene— gleichviel warum; ich hatte keine Ahnung davon, daß ich den Grafen hier treffen würde, den ich in der Reſidenz glaubte, von dem ich, ſeitdem er zum letzten Male den Fuß über unſere Schwelle geſetzt, weder etwas geſehen noch gehört habe. Ich weiß nicht, was ihn hierher geführt; wir haben—“

„Genug, genug, Roſe,“ unterbrach ſie Herr von Weißenbach, „Du brauchſt Dich nicht zu entſchuldigen; ich habe Dich nicht an⸗ geklagt. Ich will nicht wiſſen, was Ihr miteinander geſprochen habt. Beantworte mir nur die eine Frage: Liebſt Du den Grafen?“

Roſe's Geſicht wurde glühend roth und den nächſten Moment ſehr bleich. Sie ſah durch die geſenkten Lider, daß die ſcharfen Augen des Vaters auf ihr ruhten; ſie hatte das dumpfe Gefühl der entſcheidenden Wichtigkeit ihrer Antwort, und doch— es mußte ſein.

„Ja, Vater.“

Es war ihr, als ob ein Anderer, in weiter Entfernung die Worte geſprochen hätte. Es ſauſte in ihren Ohren; ſie fühlte ſich einer Ohnmacht nahe; ſie hörte nicht mehr, was der Vater ſagte; ſie ließ ſich ohne Widerſtreben von ihm nach der Thür begleiten, wo er ſie entließ, ohne ſie, wie ſonſt, auf die Stirn zu küſſen.

Erſt draußen auf dem ſchmalen Gange kam ſie ſo weit wieder zu ſich, um ſich der letzten Scene in ihrer Bedeutung bewußt zu werden und nicht ohne Mühe bis in ihr Zimmer ſchwanken zu können. Die ungeheure ſeeliſche Aufregung dieſer letzten Stunden hatte ihre Kräfte erſchöpft. Sie konnte nur noch eben der treuen Alten, die über ihr verſtörtes Ausſehen ſehr beſtürzt war, ſagen:„Verlaß mich nicht; ich bin ſehr angegriffen; ich muß meine Sachen packen, ich reiſe morgen früh mit dem Vater;“ dann ſank ſie bleich und bewußt⸗ los auf das Sopha.

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