Röschen vom Hofe. 427
kommſt. Ich habe Wichtiges mit Dir zu beſprechen. Willſt Du Flatz nehmen?“
Er ſchob einen der beiden großen Lehnſeſſel, die vor dem Kamin ſtanden, näher an das Feuer und lud Roſen mit jener Anmuth der Bewegung, die ihn nie verließ, ein, ſich zu ſetzen. Er ſelbſt rückte ſich den zweiten Fauteuil heran.
Die Papiere waren verbrannt; die leichte Aſche hob ſich und ſank auf den glimmenden Scheiten. Die drei Kerzen auf dem Armleuchter, der auf einem Tiſche weiter nach dem Fenſter zu ſtand, verbreiteten nur ein ſpärliches Licht in dem großen Gemach, in welchem heute nichts von der faſt peinlichen Ordnung, die ſonſt darin herrſchte, zu ſehen war. Es lagen eine Menge Sachen hier und da zerſtreut: Bücher, Papiere, Reiſeutenſilien, Kleidungsſtücke, unter denen Roſe die Ritterſchaftsuniform bemerkte, welche der Vater nur einmal an⸗ gelegt hatte, vor drei Jahren, als er die Tochter bei Hofe prä⸗ ſentirte.
„Ich höre, Roſe,“ fing Herr von Weißenbach an,„daß Du Deine kleine Pathe zu Dir genommen haſt. Darf ich Dich fragen, ob Du damit nur einer augenblicklichen Noth, wie ſie ja in dergleichen Fällen wohl eintritt, abhelfen wollteſt, oder ob Du mit dem Kinde weiterausſehende Pläne haſt?“
„Ich habe darüber noch nicht nachgedacht, Vater,“ ſagte Roſe, „das Kind konnte nicht bleiben, wo es war, und ich weiß auch Nie⸗ mand, dem ich es anvertrauen möchte. Es iſt hülflos ohne mich; ich meine ohne uns, denn ich bin überzeugt, daß Du in dieſem Punkte nicht anders empfindeſt, wie ich.“
„Du weißt, daß ich Deinen Wünſchen, wenn es mir möglich ge⸗ weſen iſt, noch immer nachgekommen bin;“ erwiderte Herr von Weißen⸗ bach,„aber ich möchte Dich denn doch auf die große Verantwortung aufmerkſam machen, die Du übernimmſt. Fern ſei es von mir, Dein mitleidiges Herz zu ſchelten! Auch gebe ich zu, daß Du gegen dieſes Kind noch ganz beſondere Verpflichtungen haſt. Nur bereite Dich bei Zeiten darauf vor, Deine Güte mit Undank belohnt zu ſehen. Wir haben ſchlimme Erfahrungen in dieſer Beziehung gemacht; der Menſch, der— Du weißt, wen ich meine— hat auch Jahre und Jahre lang


