Röschen vom Hofe. 25
aus denen, ihm ſelbſt unbewußt, heiße Thränen tropften, nach dem Hauſe hinüber, das die Geliebte umſchloß. Endlich raffte er ſich auf und tauchte in die Nacht des Parkes zurück.
Jwanzigſtes Capitel.
Als Roſe in das Haus trat, war es faſt dunkel. In der Wohn⸗ ſtube brannte kein Licht; der Vater mußte alſo noch auf ſeiner Stube ſein. Roſe's Herz ſchlug bei dem Gedanken, gerade jetzt vor ihren Vater hinzutreten.
Auf ihrem Zimmer fand ſie die Frau Wenzel an der Wiege des Kindes ſitzend.
„Hat das ein Schläfchen gemacht, das Engelchen,“ ſagte die gutmüthige Alte,„jetzt hat es das Fläſchchen gehabt und da ſchläft es ſchon wieder.— Und nebenan iſt ſchon Alles in Ordnung, Fräulein Röschen.“
„Was meinſt Du?“ fragte Roſe erſtaunt.
„Nun, Sie wollen doch das Kindchen nicht für ſich allein haben, Fräulein Röschen! Ei, das fehlte noch! Ich habe mir nebenan eines von den Betten zurecht gemacht; es hat ja lange genug kein Men⸗ ſchenkind d'rin geſchlafen. Mein Alter wird mich nicht vermiſſen; und wenn auch: mein Fräulein Röschen ſoll ſich nicht allein mit dem Kindchen quälen. Jugend braucht Schlaf; ich wache ſo die halbe Nacht. Mir iſt's ein Leichtes, was meinem Fräulein Röschen doch ſchwer werden ſollte. Wollen warten, Röschen, bis an uns ſelbſt die Reihe kommt; gelt? Hab' auch ſchon ein Feuerchen im Oefchen an⸗ gemacht. Wenn es ordentlich durchgewärmt iſt, wollen wir das Bett⸗ hen hinübertragen.“
Roſe ſträubte ſich nicht eben ſehr gegen Frau Wenzel's An⸗ ordnungen. Sie hatte von vornherein auf den gelegentlichen Beiſtand der guten Alten gerechnet, die, wie ſie wußte, eine gar erfahrene und


