Röschen vom Hofe. 123
es Ihnen gegenüber thue— ich weiß nicht, ob ich es darf; ich habe es gethan, weil ich nicht anders konnte.“
Roſe's Stimme erſtickte in Schluchzen; der Graf ergriff ihre Hand. Er war in der furchtbarſten Aufregung:
„Roſe, Roſe,“ rief er;„ich weiß nicht, ob es Wahnſinn iſt, aber ich höre in Allem, was Sie ſagen, nur die Weigerung, mich in die Rechnung Ihres Lebens aufzunehmen. Es iſt Ihr Vater und immer nur Ihr Vater, um den ſich alle Ihre Gedanken drehen, alle Ihre Empfindungen concentriren. Daß ich Sie liebe, Sie wiſſen es nicht ſeit heute; wie ſehr ich Sie liebe, ich kann es Ihnen nicht ſagen; ich weiß nur, daß, wenn ich Sie verlieren ſollte, mir das Leben nicht einen Strohhalm werth iſt. Das ſoll Sie zu nichts beſtimmen; ich ſage: meine Liebe geht Sie nichts an; aber, Roſe, Sie ſelbſt lieben mich! Was machen Sie aus dieſer Ihrer Liebe? Sie bringen ſie mit offenen Händen Ihrem Vater dar und opfern ſie ihm. Roſe, Roſe, wenden Sie ſich nicht von mir! Ich haſſe ja Ihren Vater nicht; ich habe vielleicht in dieſer Zeit— doch darüber mit Ihnen zu ſprechen, iſt mir unmöglich. Das Schwert, das Sie ſo ſehr fürchten, wird entfernt werden, aber zwiſchen uns wird Alles beim Alten bleiben. Ich kann meine Knie nicht beugen, wo ich nicht ver⸗ ehre; ich kann meine Rede nicht fälſchen. Ihr Vater verabſcheut in mir den Revolutionär; aber noch viel mehr: den Geliebten ſeiner Tochter; nicht ſowohl den Politiker, den Patrioten habe ich in ihm beleidigt, als den Vater, der auf die Liebe ſeiner einzigen Tochter eiferſüchtig iſt. Aber, mein Gott, Roſe, habe ich kein Recht eifer⸗ ſüchtig zu ſein? liebe ich Sie nicht? beſteht nur Vergangenheit zu Recht und iſt die Zukunft nichts? Sie müſſen ſich entſcheiden, Roſe! Sprechen Sie es aus: mir iſt der Vater Alles, und ich gebe Alles für dies Alles hin!“
Sie waren, dem Hofe gegenüber, von dem ſie nur noch durch einen freien Platz getrennt waren, an dem Ende der Allee angelangt. Roſe ſah durch die Thränen, die ihre Angen füllten, jetzt erſt, wo ſie ſich befanden.*
Der Anblick des alten Hauſes, deſſen Giebel melancholiſch über
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