Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Röschen vom Hofe. 119

dings Recht; ohne Opfer geht es in dieſer Heldenlaufbahn nicht, wenn ſie auch lange nicht bis zum Olhmp hinaufführt. Ich habe auch mein Opfer gebracht, und der Himmel weiß, wie ſchwer es mir geworden iſt.“

Des Grafen Stimme zitterte; er ging ein paar Minuten ſchwei⸗ gend neben Roſe her(ſie hatten, ohne eine beſtimmte Abſicht, den Weg die Allee wieder hinauf nach dem Hofe eingeſchlagen), dann fuhr er fort:

„Ich habe, glauben Sie mir, in dieſer Zeit die Schwere meines Opfers erproben können; es hat mich faſt wahnſinnig gemacht und ich muß mich ſehr beherrſchen, wenn ich mit einiger Ruhe zu Ihnen ſprechen will; dennoch, ſelbſt in dieſem Augenblick, wo mich Ihre Nähe ſchier trunken macht, wo ich aufjauchzen möchte vor Luſt und weinen möchte wie ein Kind— ſelbſt jetzt kann ich nicht anders ſagen, als daß ich ſelbſt für Sie nicht zum Lügner werden durfte. Vielleicht, daß ich mit größerer Klugheit hätte handeln und reden, vielleicht, daß ich Ihnen eine ſchlimme Stunde hätte erſparen können; aber im Grunde wäre es doch immer daſſelbe geblieben. Das ſagte ich mir, als Sie an jenem glücklichſten und unglücklichſten Tage meines Lebens von mir ſchieden— das ſage ich noch jetzt, wo ich die Ge⸗ wißheit habe, daß für mich der letzte Schimmer von Glück und Friede ſo gewiß aus dem Leben verſchwunden iſt, wie die Sonne für heute aus dem dunkelnden Wald.“

„Das iſt es ja, was ich behauptet habe,“ erwiderte Roſe;„Ihr könnt nicht glücklich ſein und glücklich machen, wenn Ihr dabei ein Titelchen von Eurer Philoſophie aufgeben müßt.“

„Und Ihr Frauen,“ erwiderte der Graf,„könnt nicht glücklich ſein und glücklich machen, wenn Ihr dabei ein Titelchen von Eurer Liebe

aufgeben müßt.“

„Und möchtet Ihr Männer uns anders?“ erwiderte Roſe mit großer Lebhaftigkeit,„oder wenn Ihr uns auch anders möchtet, würde es, wenn wir anders wären, zu Eurem Glück gereichen? Woher ſoll denn die Welt, die liebeleere, die Liebe nehmen, ohne die Alles ver⸗ dorren würde, als aus dem Herzen der Frau? Woher ſoll dem Kinde, deſſen anſpruchsvolle Unruhe die Geduld des Vaters erſchöpft, die