Röschen vom Hofe. 55
daß er ſich in ſeinem Leben noch auf Nichts ſo gefreut, als auf den Augenblick, wo er Roſen durch ſein Haus, das er für ſie und nur für ſie geſchmückt, werde führen können, daß dieſer Augenblick ge⸗ kommen ſei, und ſo oder ſo, allen Werth, allen Zauber, alle Poeſie für ihn verloren hatte.
Zehntes Capitel.
Sie waren die breite, mit Gewächſen reich geſchmückte Stein⸗ treppe, welche aus dem Erdgeſchoß in den zweiten Stock führte, unter vielen Ausrufen entzückter Bewunderung von Seiten des Paſtors hinaufgeſtiegen; ſie hatten den oberen Flur, der, ebenfalls mit Ge⸗ wächſen und außerdem mit einigen guten Gypſen geſchmackvoll decorirt, ſich wirklich ſehr ſchön und ſtattlich ausnahm, durchſchritten; der Diener hatte die Thür, aus der man aus dem Vorfaal in die lange Flucht der Zimmer trat, geöffnet; war dann vorangegangen, Herr von Weißenbach und der Paſtor waren ihm bereits gefolgt, der Graf wollte Roſen mit einer Verbeugung an ſich vorüberlaſſen, als dieſe plötzlich ihre Hand leicht auf ſeinen Arm legte. Der Graf ſchaute ſie betroffen an. Ihre großen blauen Augen, die mit einem eigen⸗ thümlich ſanften und traurigen Ausdruck auf ihn gerichtet waren, glänzten von einem feuchten Schimmer; aber um ihre Lippen ſpielte ein Lächeln.
„Sie haben ſich recht auf dieſen Tag gefreut?“ ſagte ſie leiſe.
Der Graf konnte nichts erwidern, nicht einmal mit dem Kopfe nicken; nur um ſeinen Mund zuckte es.
„Ich kann nichts dafür,“ fuhr ſie in demſelben leiſen Tone, nur noch haſtiger, fort,„laſſen Sie es mich nicht entgelten!“
Sie hielt ihm ihre Hand hin, die er an ſeine Lippen zog. Dann richtete er ſein Haupt wieder empor. Seine Augen leuchteten; der plötzliche Uebergang von Schmerz in Luſt hatte etwas Berauſchendes.


