Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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56 Röschen vom Hofe.

Nun war Alles wieder gut und mehr als gut! Nun waren die Welt und das Leben wieder hell, heller als je!

Roſe lächelte. Sie hatte nicht gewußt, daß ihre Macht über dieſen Mann, der ihr ſo ſtark, ſo ſicher, ſo ſelbſtbewußt erſchien, ſo groß ſei; das deutliche Bewußtſein dieſer ihrer Macht erfüllte ihr Herz mit unendlichem Stolz.

Mit Stolz und Demuth; oder war dieſe Demuth doch auch wieder nichts als verſteckter Stolz? War es nicht Stolz geweſen, das dunkle Gefühl, welches ſie heute die einfachſte Kleidung, die ſie finden konnte, hatte anlegen laſſen? Oder hatte ſich noch etwas Anderes, was ſie ſich ſelbſt nicht deutlich machte, hineingemiſcht? Hatte ſie weiter in die Zukunft geblickt und ausdrücken wollen: wer mich liebt, muß mich ſo lieben, oder ich will nicht geliebt ſein?

In Roſe's Seele wogten dieſe Zweifel, während ſie ſtill, bald an der Seite des Grafen, bald an der ihres Vaters, durch die Flucht der ſchönen Gemächer ſchritt. Dem Grafen hatte das Glück die Faſſung wiedergegeben, die ihm vorhin die unangenehme Ueberraſchung geraubt hatte; er vermochte die Fragen des alten Herrn geläufig zu beantworten, und wußte ſelbſt den plumpen Schmeicheleien des Paſtors höflich auszuweichen; aber ſeine Blicke hingen beſtändig an Roſe, deren Geſicht jetzt von einer ſanften Freundlichkeit belebt war, ob⸗ gleich ihre Lippen ſich ſehr ſelten zu einer Bemerkung öffneten, und auch das nur, wenn ſie von dem Vater oder dem Paſtor direct um ihre Meinung angegangen wurde. Sie konnte nicht plaudern und kritiſiren und ſcherzen wie ſonſt. Bei jedem Schritte, den ſie that, fühlte ſie inniger, daß all dieſe verſchwenderiſch ausgeſtreute Pracht nur eine Huldigung für ſie war. Keine unbedeutendſte Aeußerung, die ſie jemals in den Geſprächen auf Weißenbach über ihren Geſchmack und ihre Neigungen in aller Unbefangenheit und Harmloſigkeit ge⸗ macht hatte, war verloren gegangen. Da waren die hohen Trümeaux, von denen ſie ſcherzend behauptet, daß ſie die einzige Art Spiegel ſeien, in denen man ſeines Bildes froh werden könne; da waren die Möbel von Roſenholz mit Bezügen von mattblauer Seide, mit denen ihr Zimmer im herzoglichen Schloſſe ausgeſtattet geweſen war; da waren faſt in jedem Zimmer Schaukelſtühle, in denen ſie ſich ſo gern