Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Röschen vom Hofe. 47

Da Roſe in der Unterhaltung öfters ihren geliebten Park er⸗ wähnte, der Graf ein lebhaftes Verlangen äußerte, die ſchönen ein⸗ ſamen Gänge unter den alten Bäumen, die Roſe ſo ſehr rühmte, kennen zu lernen, der Park aber in dieſer Jahreszeit um die Stunde, wenn der Graf auf dem Hofe vorzuſprechen pflegte, meiſtens ſchon in Nebelgrau gehüllt war, ſo blieb nichts übrig, als daß er ſich den wichtigen Geſchäften, welche ihn in Lengsfeld feſſelten, ein und das andere Mal früher entzog, um die Wirkung des Nachmittags⸗ und Abendſonnenſcheins in den Kronen der Buchen und Eichen ſtudiren zu können. Weil nun Niemand ſo gut wie Fräulein von Weißenbach die ſchönen Stellen des Parks kannte, und der Park mit ſeinen viel⸗ fach verſchlungenen, oft halb zugewachſenen Pfaden für den Fremden ein wirkliches Labyrinth war, ſo mußte ſie ſchon die Güte haben, dem Grafen als Führerin zu dienen, um ſo mehr, als Herr von Weißenbach ſich ſeiner Gicht wegen vor Erkältungen ſehr in Acht zu nehmen hatte, und der alte Wenzel in den Nachmittagsſtunden durch ſeine vielfachen Functionen in das Haus und auf den Hof ge⸗ bannt ward. So ſtreiften denn die Beiden hin und her, und her und hin im Park, und geriethen auf dieſen Streifereien oft ſo tief in's Geſpräch, daß ſie an den ſchönſten Punkten achtlos vorübergingen, und ſelbſt die herrlichſte Beleuchtung der untergehenden Sonne ihnen kaum mehr als ein flüchtiges Intereſſe abgewann.

Schönere Tage hatte der Graf noch nicht verlebt; ja, ſo ſchön waren dieſe Tage, daß ihm ſein vergangenes Leben bis zu dem Augen⸗ blick, wo er Roſen ſah, wie ein dunkles, unheimliches Räthſel erſchien. Seine Seele war ſo durchleuchtet von dem Bilde des Mädchens, wie ein Tropfen Thau von dem Sonnenlicht; ſeine Sehnſucht, ſie wieder zu ſehen, ihre Stimme wieder zu hören, war grenzenlos. Wenn er von Lengsfeld herüberſprengend den Giebel des Hauſes zwiſchen ven Bäumen auftauchen ſah, ſchlug ihm das Herz vor jauchzender Luſt; und wenn er dann endlich nach ſo langen, langen Stunden ihre Hand in der ſeinen hielt und in ihre Augen ſchaute, die mit immer gleicher Güte— ja, wie er manchmal glaubte, täglich gütiger— zu ihm aufblickten, dann fühlte er ſich ſo reich, ſo ſtolz, und doch wieder