Röschen vom Hofe.
Ichtes Capitel.
Des Grafen italieniſche Reiſe ſchien in dieſem Herbſt nicht mehr zur Ausführung kommen zu ſollen, wenigſtens erhielt der Diener Be⸗ fehl, die ſchon gepackten Koffer wieder auszupacken, und es war auch ſonſt nicht weiter von dem Projecte die Rede. Dagegen wurden die Pläne, welche der Graf zu einer wohnlicheren Einrichtung des Schloſſes gemacht hatte, noch ernſtlicher als zuvor in Angriff genommen; aber die Arbeiter bekamen von dem Morgen des Tages, nachdem der Graf drüben in Weißenbach geweſen war, kein böſes Wort mehr zu hören; eben ſo wenig die Haushälterin, oder die Diener, oder Bon⸗ cveur, der in ſeiner Ueberzeugung von der unberechenbaren Launen⸗ haftigkeit ſeines Herrn dadurch nur beſtärkt wurde. Es war ganz erſtaunlich, wie ſehr dem Grafen der Zuſtand ſeiner Beſitzungen plötz⸗ lich an's Herz gewachſen war; welche Menge von neuen Einrichtungen aller Art ſein Kopf im Verlaufe von einer einzigen Woche ausdachte! und was war am Ende natürlicher, als daß der Graf, welcher bei all' ſeinen ſtaatsökonomiſchen und ſtatiſtiſchen Kenntniſſen und bei all' ſeinem guten Willen für die Amelioration ſeiner Güter, denn doch, ſtreng genommen, in der praktiſchen Landwirthſchaft ein Neuling war, von Zeit zu Zeit nach Weißenbach hinüberritt, um ſeinen älteren Freund, deſſen Einſicht in dieſen Dingen ſehr gerühmt wurde, be⸗ treffenden Falls um Rath zu fragen. Da der Graf den Tag über ſo ſehr beſchäftigt war, konnte er ſelten vor Abend ſein Pferd ſatteln laſſen, und ſo geſchah es, daß manchmal, während er noch mit Herrn von Weißenbach in der Wohnſtube conferirte, nebenan in dem Eß⸗ zimmer die Theeſachen anfingen zu klappern, was dann zur Folge hatte, daß der Braune ein oder auch zwei Stunden länger in dem Stall auf ſein Herrn warten mußte. Der Graf kannte die Gelegen⸗ heiten des Hofes bereits ſo gut, daß, wenn er bei ſeiner Ankunſt Niemand zu ſeinem Empfange fand, er ſein Pferd ſelbſt neben dem einzigen Pferde des Herrn von Weißenbach— einem hohen, ſtark⸗


