Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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42 Röschen vom Hofe. die Herren müſſen mich ein paar Minuten entſchuldigen, bis das Thee⸗ waſſer kocht.“

Es war ein glücklicher Abend, den der Graf verlebte; er hatte nicht gewußt, daß in ſeinem Herzen ſolche warmen Quellen von Freu⸗ digkeit verſchloſſen ſeien. Ueber Tiſch fiel ihm ein, wie arm er noch vor wenigen Stunden geweſen, und da erſchrak er zuerſt und dann mußte er lächeln, wie ein plötzlich reich Gewordener, wenn er an die vergangene Noth und Verlegenheit zurückdenkt. Selbſt die Umgebung: die wunderlichen alten Möbeln, mit denen auch das Gemach, in wel⸗ chem ſie den Thee einnahmen, ausgeſtattet war; die phantaſtiſchen Schildereien von gezierten Göttern und Göttinnen, Schäfern und Schäferinnen mit ihren Heerden, die hier, anſtatt der Portraits im Wohngemach, die Wände bedeckten; die geblümte Theekanne von Dresdener Porzellan, aus welcher Roſe den duftigen Trank in eben⸗ falls geblümte, ſeltſam geformte flache Taſſen mit großen Unterſchalen goß; der Armleuchter von Kryſtall, auf dem drei ſehr beſcheidene Lichter brannten— es war dem Grafen, als hätte er das Alles von jeher gekannt, als hätte er ſchon unzählige Male von dieſer Tiſchdecke, in welche das Abendmahl Leonardo da Vinci's und die Jahreszahl 1729 gewebt war, gegeſſen. Der Graf war zu glücklich, um ſehr geſprächig zu ſein, obgleich er auf ſchickliche Weiſe ſeinen Theil zur Unterhaltung beitrug; aber auch wenn er von ſeinen Reiſen erzählte öder dem alten

errn eine Gewiſſensfrage über ſeine Anſicht in Betreff der Zuläſſig⸗ keit oder Unzuläſſigkeit einer Steuer auf Kaffe und Thee beantworten mußte— immer ſuchten ſeine Augen die Augen Roſes, die den ganzen Abend ihren luſtigen, ſchelmiſchen Ausdruck beibehielten. Ja, er glaubte zu bemerken, daß Fräulein von Weißenbach es förmlich darauf anlegte, ihn zum Widerſpruch zu reizen und immer eifriger wurde, als er ihr fortwährend mit höflichen und zierlichen Wendungen auswich.

Nach dem Thee, als ſie ſich in das Wohnzimmer zurückbegeben hatten, erſuchte er ſie, ein wenig auf dem Flügel(der, wie er bei dieſer Gelegenheit erfuhr, ein Geſchenk der Herzogin war), vorzu⸗ tragen, aber Roſe ſchlug es ab.. „Wir werden Sie hoffentlich öfter— recht oft bei uns ſehen,“