Röschen vom Hofe. 29
breiten Terraſſe vorn, auf der Cacteen und andere Blumen von Blech in ſteinernen Vaſen ſtehen, hinten mit einem Park in dem franzöſiſchen Geſchmack der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, und inwendig mit einer Menge von großen und kleinen Zimiern, in denen allen der Duft des Unbewohntſeins liegt— iſt immer noch nicht„zu Hauſe.“ Beſonders, wenn man ſtundenlang auf der Terraſſe auf⸗ und abgehen, oder durch den Park ſchweifen, oder durch die Zimmer wandern kann, ohne einem Menſchen zu begegnen, als etwa der alten Haushälterin, oder einzelnen Arbeitern, oder den Handwerkern aus der Stadt— Tapezierern, Tiſchlern, Malern— die der Graf hatte kommen laſſen, um zu verſuchen, ob mit ihrer Hülfe dem einen Flügel, rechts im Erdgeſchoß, den er ſich zu ſeiner Wohnung auserſehen, ein wohn⸗ licheres Anſehen gegeben werden könne. Zum„zu Hauſe,“ meinte der Graf, gehört vielleicht doch noch mehr, wenn nicht Frau und Kind, ſo ein Geſchäft, das man mit Eifer treibt, wenigſtens eine Geſellſchaft, die man bewirthet und der man es behaglich zu machen ſucht, wäre es auch nur, ſich bei dieſer Bemühung ſelber ein wenig behaglicher zu fühlen.— Dem Grafen war es noch nie ſo ſehr aufgefallen, wie einſam er doch eigentlich ſei; oder vielmehr, wie drückend die Einſam⸗ keit werden könne, denn er war im Grunde jetzt nicht einſamer, als er es Zeit ſeines Lebens— in der Cadettenſchule, der Garniſon und dem Feldlager, ebenſo wie in den Ruinen des Coloſſeums und Car⸗ naks— geweſen war. Der Graf fing an zu der Anſicht zu kommen, daß er zwar niemals ſehr jung geweſen, daß er aber jetzt, nach eben zurückgelegtem dreißigſten Jahre, entſchieden anfange, alt zu werden.
„Denn er iſt alt,“ ſprach der Graf bei ſich, während er, die Hände auf dem Rücken, auf ſeiner Terraſſe hin⸗ und herſchritt,„der iſt alt, welcher am Leben das Intereſſe verloren hat; der am Morgen aufſteht, weil er doch, ohne krank zu ſein, nicht wohl im Bette liegen bleiben kann, und des Abends ſich hinlegt, weil die ganze Nacht ſo zwiſchen den Büchern zu ſitzen, auch ſchließlich unerträglich wird. Wäre ich arm, daß ich arbeiten müßte, um zu leben, ſo wäre doch wenigſtens das Bedürfniß ein Sporn; wäre ich ehrgeizig, ſo würde es mir ſchmeicheln, kaum als ein Fremdling in das Land meiner Väter zurückgekommen und ſchon der Gegenſtand der allgemeinen Aufmerk⸗


