Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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28 Röschen vom Hofe.

und ſo nachdenklich, die Augen auf den Boden geheftet, an dem Rain des Feldes einherſchritt, daß Boncveur es zuletzt für zweckmäßig er⸗ achtete, die Jagd ganz aufzugeben und dem Träumer in der Ent⸗ fernung einiger Schritte eben nur zu folgen. Der Graf hatte nichts dagegen; er dachte in der That an nichts weniger als an das, was Boncveur ſo ſehr am Herzen lag.

Es war dem Grafen ganz eigen ergangen, ſeit er in dem Thale weilte, aus dem ſeine Familie ſtammte, in dem ſeine Familie Jahr⸗ hunderte lang gehauſt hatte; in dem Dorfe weilte, von dem er den Namen trug. Er hatte keine Erinnerung an dieſe Gegend; war er doch als kleines Kind ſchon in die Fremde gekommen! und doch ſprach ihn hier Alles ſo vertraut, ſo heimathlich an, als hätte er dieſe Berge, deren blaue Wellenlinien mit dem Horizonte verſchwammen, dieſe Wälder, in deren Wipfeln es ſo ſchauerlich rauſchte, dieſe Wieſen, durch welche ſich die mit Weiden beſetzten Bächlein ſo behaglich ſchlängelten, dieſe Felder, die ſich ſo friedlich an dem Fuß der Berge hinbreiteten, als hätte er das Alles ſeit ſeiner früheſten Jugend gekannt und geliebt. Auch die freundlichen, zuthulichen Menſchen mit ihrer naiven Sprache, die Männer mit den blauen Sommerröcken und breitkrämpigen Hüten, die Frauen mit den ſchwarzen Miedern und den ellenlangen breiten Seidenbändern und den enganſchließenden Mützchen auch dieſe heimelten ihn mehr an, als es bis jetzt einer der zahlloſen Volksſtämme, zu denen er während der letzten zehn Jahre gekommen war, gethan hatte. Es war nicht eigentlich ſeine beſtimmte Abſicht geweſen, fortan in ſeiner Heimath zu bleiben: er war zurückgekehrt, um natürlich auf ſeine Koſten ein Werk über Handelspolitik, das er mit vieler Liebe zur Sache und großem Fleiß auf ſeinen Reiſen ausgearbeitet hatte, drucken zu laſſen, und weil der Abſchluß neuer Contracte mit einigen ſeiner Pächter ſeine Gegenwart in Lengsfeld, auf einige Zeit wenigſtens, wünſchenswerth machte. Und während er dieſe Geſchäfte abwickelte, ſeine Beſitzungen durch⸗ ſtreifte, und ſich mit jedem Tag tiefer in dieſe liebliche Natur hinein⸗ lebte, fiel ihm ein, daß er wohl eigentlich nun genug gereiſt, und daß es die höchſte Zeit ſei, endlich einmal zu fühlen, was es heißt: zu Hauſe ſein. Freilich, ein großes, ſchloßartiges Gebäude mit einer