Röschen vom Hofe. S
den Wolke vereinigt, ſauſten ſie vorüber, und Roſe erwachte aus ihrem Traum.
Unter den Linden vor dem Thore des Hofes führte ein Reit⸗ knecht in grauer Pikeſche und Stulpſtiefeln zwei ſchöne Pferde am Zügel auf und ab. Das war ein ſeltener Anblick vor dem Hauſe ihres Vaters, und Roſe fühlte, daß ihr das Blut in die Wangen ſchoß. Der Mann nahm die Zügel in die linke Hand und zog ſeine Kappe, als die junge Dame vorüberſchritt. Einen Augenblick ſtockte ihr Fuß und ſie hatte die Frage: wem gehören die Pferde? auf den Lippen; aber ſie ſagte nichts; ſie wußte auch ohne das, wer jetzt eben im Hauſe bei ihrem Vater war.
Fünftes Capitel.
Graf Hugo von Lengsfeld hatte ſeit jenem Morgen unter den Ahornbäumen tagtäglich die Flinte auf die Schulter genommen und beſonders nach der Gegend von Weißenbach hin das ausgedehnte Jagdgebiet, das ihm der Verwalter hatte pachten müſſen, durchſtreift; aber Boncveur, der langohrige braune Hühnerhund, hatte ſich ſelten weniger in das Betragen ſeines Herrn finden können, als in eben dieſen letzten Tagen. Zwar war es Boncoeur durchaus nichts Neues, daß ſein Herr ihn eine Viertelſtunde vor einem Volke Hühner auf drei Beinen ſtehen ließ, und wenn er endlich läſſig herankam, ent⸗ weder gar nicht oder vorbeiſchoß; aber ſo conſequent, wie in dieſen Tagen, hatte er denn doch noch nicht alle Regeln der edlen Weid⸗ mannskunſt außer Acht gelaſſen. Vergebens, daß der wackre Hund mit der unermüdlichſten Geduld ein Runkelrübenfeld nach dem andern abſuchte und einen Haſen nach dem andern aufſtieß. So oft er von der kurzen Verfolgung(die zwiſchen den hohen Wurzeln der Runkeln gar nicht eben angenehm war) zurückkehrte, fand er ſeinen Herrn, der nach wie vor die Flinte unter dem Arm oder über der Schulter hatte,


