Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Röschen vom Hofe

und drückte das Kind an ihre ſchmerzende Bruſt. Roſe tröſtete ſie, ſo gut ſie es vermochte; ſie werde nicht ſterben und was das Kind beträfe, ſo ſei es ja auch ihr Kind und ſie werde es nicht verlaſſen. Die Stimme des jungen Mädchens war ſo fanft und ernſt und feier⸗ lich; dem armen Weibe auf dem harten Lager war es, als ob der Engel einer zu ihm ſpräche.Sie ſollte nicht ſterben; ihr Kind ſollte nicht verlaſſen ſein. Sie ſank auf ihr Lager zurück und ſchloß die Augen;ſollte nicht verlaſſen ſein! Sie hatte nicht ſchlafen können, ſeit Roſe geſtern dageweſen war, jetzt konnte ſie ſchlafen. Roſe nahm das Kind und gab ihm von der friſchen warmen Milch, die ſie vom Hofe mitgebracht, dann bettete ſie es wieder ſanft und reinlich und ſetzte ſich und wachte über die Schlummernde. Der Mann kam von der Arbeit nach Hauſe und öffnete unſanft die Thür; aber als er das Fräulein erblickte, wie es den Finger an den Mund legte und ihn mit den großen blauen Augen ſo ernſt und mild anſah, da zog er die Thür ſacht hinter ſich zu und kam leiſe herein und legte ſeine Sachen leiſe in die Ecke. Roſe winkte ihn zu ſich und flüſterte ihm zu, daß in dem Korb Fleiſch für ihn ſei und Brot und ein Stück Geld in Papier, wenn es ja noch an Etwas fehle. Der Mann nickte mit dem Kopfe und ſetzte ſich in die Ecke und. Der plumpe Menſch ſtieß nicht an, warf nichts um, man hörte ihn kaum. Roſe ſtand auf und nahm ihren Hut. Der Mann erhob ſich. Roſe legte ihm die Hand auf den Arm.Die Anne ſagt: Er iſt ſo gut, Claus Weber! Ich glaube es auch, denn wer nicht gut gegen ein ſo ſanftes Geſchöpf iſt, wäre ja nicht werth, daß er lebte. Nun zeig' Er ein⸗ mal, daß Er gut iſt, Claus Weber? Will Er?

Sie hielt ihm die Hand hin. Der Mann legte ſeine große ſchwie⸗ lige Hand zögernd hinein, nicht, als ob er das Verſprechen ungern gegeben hätte; aber es war ihm, als ob er die ſchlanke, weiße Hand nicht berühren dürfe. Das Blut ſchoß ihm in die brannen Wangen. Er thut Alles, um was die Anne ihn bittet? ſagte Roſe.Jal ſagte der Mann. Roſe ſah ihm in die Augen; ſie wußte, daß er ſein Wort halten werde.

Als Roſe aus der Hütte trat, war der Abend ſchon tiefer herein⸗ geſunken, doch war es noch licht, und die unermüdlichen Schwalben