Röschen vom Hofe.
dige Fräulein, däucht mir, muß ihn auch geſehen haben, denn es war juſt an der Stelle, wo ſie zu ſitzen pflegen.“
Der Alte wandte ſeine kleinen grauen Augen auf das Fräulein, ndeſſen Mienen Verlegenheit und Lachen kämpften.
„Was iſt's damit, Roſe?“ fragte der Vater.
„Wenzel hat ganz recht geſehen,“ ſagte Roſe und lachte nun gerade heraus;„und ich weiß ſogar, wer der Wilddieb geweſen iſt.
. Niemand Geringeres, als— nun rathe einmal, Väterchen; aber 1 Du räthſt es nicht, und kannſt es nicht rathen: Der Graf von Lengsfeld!“
„Wer?“ rief Herr von Weißenbach.
„Der Graf von Lengsfeld,“ wiederholte Roſe;„ich muß das wiſſen, denn er hat es mir ſelbſt geſagt und ſich in den zierlichſten Wendungen entſchuldigt, weil er meine Muße, wie er ſich ausdrückte, geſtört habe.“
„Iſt es möglich!“ rief Herr von Weißenbach, deſſen Neugier durch dieſe Nachricht auf das lebhafteſte erregt war.„Und was für eine Art Mann iſt er? Wie ſieht er aus?“
„O, ein recht feiner, artiger Mann,“ rief Roſe;„und wie er ausſieht? Ich will Dir's ſagen, Väterchen, aber ganz leiſe, in's Ohr. 3 Er ſieht ſo aus, daß ich ihn auf der Stelle heirathe, wenn Du mich noch ein einziges Mal in's Kloſter ſchicken willſt.“
viertes Capitel.
Es waren die ſchönen, ſonnigen Tage, wenn der Sommer, der zu Ende iſt, ſich noch nicht von ſeinen lieben Feldern und Wäldern trennen kann, und der Herbſt ihn gewähren läßt, ſicher, daß ſeine Zeit doch kommen wird. Es war ſo ſtill in der Luft; die glänzenden Sommerfädchen rückten kaum aus der Stelle, und wenn ein gelbes Blatt vom Baume fiel, ſchwebte es gerade hernieder und blieb liegen,


