Teil eines Werkes 
6. Band (1867) Röschen vom Hofe / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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Röschen vom Hofe. 24

Dich unaufhörlich in ſchiefe Lagen bringen, und mein Väterchen ſoll auf keiner ſchiefen Ebene gehen, ſondern ſtrack und feſt auf ſeinem Grund und Boden, wie ein echter Ritter von altem Schrot und Korn, der er ja nun doch einmal von der Sohle bis zum Wirbel ſeines lieben Hauptes iſt. Und nun, lieb' Väterchen, gieb mir einen Kuß und laß uns von was Anderem ſprechen.

Roſe drückte ihrem Vater einen herzlich en Kuß auf die Lippen. Herr von Weißenbach lächelte, aber es lag noch immer eine Wolke zwiſchen ſeinen Augenbrauen.

Du biſt mein liebes Mädchen, ſagte er,und viel zu klug und zu gut für mich alten mürriſchen Mann, und überhaupt zu gut für jeden Mann, wie ich ſie kenne; und doch wird einmal die Zeit kommen

Aber nun werde ich ernſtlich böſe, rief Roſe und ihre Wangen glühten;wenn Du mich durchaus nicht haben willſt, ſo gehe ich in ein Kloſter; hörſt Du, Väterchen, in ein Kloſter mit ſo hohen ſteinernen Ringmauern, und Du magſt dann ſehen, wie Du eine andere Roſe bekommſt.

In dieſem Augenblick trat der alte Wenzel mit der langen Vogel⸗ flinte über der Schulter aus einem der Seitenwege und kam gerade auf die Beiden zu, zog die Mütze von dem Kopfe und ſagte:Habe zu melden, gnädiger Herr, daß heute Morgen auf unſerm Revier ge⸗ wilddiebt iſt.

Warum nicht gar, Alter! ſagte Herr von Weißenbach.

Hab' ihn mit meinen eigenen Augen geſehen, behauptete der alte Mann.

Die Zornesader auf der Stirn des Herrn von Weißenbach ſchwoll und heftig rief er:

Das fehlte noch! Nicht genug, doß einem gegen alles Recht und Geſetz die Jagd auf eigenem Grund und Boden genommen iſt ſoll die Frechheit dieſer Menſchen keine Grenze finden! Weßhalb hat Er den Kerl nicht beim Kragen genommen?

Kam zu ſpät dazu, gnädiger Herr! Aber ich habe den Schuß gehört und habe geſehen, wie er über unſern Zaun ſprang; das gnä⸗