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282 In der zwölften Stunde.
In dieſem Augenblicke wurde die Thür von innen geöffnet und Cornelie erſchien auf der Schwelle. Sie war in ſchwarz gekleidet; ein ſchwarzer Schleier rahmte ihr Geſicht ein, das ſich, als ſie Sven's anſichtig wurde, mit einer geiſterhaften Bläſſe bedeckte.
Der alte Diener war auf die Seite getreten. Cornelie und Sven ſtanden ſich gegenüber. Sven zitterten die Kniee, ſeine Glieder bebten, er konnte ſich nur mit Mühe aufrecht erhalten. Auch Cornelie legte die Hand, als ob ſie nach einer Stütze ſuchte, an den Thür⸗ pfoſten; aber ſie zog ſie alsbald wieder zurück und ſagte mit einer Stimme, die nicht umſonſt nach Feſtigkeit rang:„Sie kommen, uns Adien zu ſagen; Sie finden uns einigermaßen derangirt, da der nächſte Dampfer uns ſtromaufwärts bringen ſoll. Indeſſen, unter alten Bekannten macht man nicht viel Umſtände: kommen Sie herein.“
Sie trat von der Schwelle zurück in das Gemach; Sven folgte ihr, auch der Alte kam mit herein, rückte die Fauteuils um das Sofa zurecht, entzündete die Lichter der großen Leuchter auf dem Kaminſims, während Cornelie Sven winkte, Platz zu nehmen, und in einem ſeltſam fremden, klanglos⸗gleichgiltigen Ton, der Sven durch's Herz ſchnitt, ſprach:
„Der Entſchluß zur Abreiſe iſt ziemlich plötzlich gekommen. Der Doctor wünſchte Edgar ſo bald als möglich in das mildere Klima Italiens verſetzt; überdies werden wir in Florenz oder Genua Sir George Blunt, den Großoheim der Kinder mütterlicherſeits, treffen, auf den ich für Kitty große Hoffnungen ſetze. Sie wiſſen, daß das Vermögen an Edgar fällt. Der Doctor erwartet uns am Dampf⸗ ſchiff; er will es ſich nicht nehmen laſſen, ſeinen Patienten eine Strecke zu begleiten. Es iſt mir das um ſo lieber, als Mr. Smith hier bleiben muß, um unſre Angelegenheiten zu ordnen.— Ich danke Ihnen, Mr. Smith; ich denke, das wird genügen; ſeien Sie ſo gut, mich zu rufen, wenn die Kinder fertig ſind.“
Mr. Smith hatte mit einem Blick des Argwohns und des Un⸗ willens, der ſeine Herrin und ihren Beſucher gleicherweiſe traf, das Zimmer verlaſſen. Cornelie hatte, während ſie ſprach, ruhig dageſeſſen und den Mann nicht einmal angeſehen; kaum aber war die Thür hinter ihm in's Schloß gefallen, als ſie ſich erhob, ſchnell ein paar
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