In der zwölften Stunde. 281
ſtill, ging ſtill in die Kammer nebenan, kleidete ſich um, ohne kaum zu wiſſen, was er that, kehrte dann in das Zimmer zurück, legte das Buch und die Schmuckſachen in das Käſtchen, und ging damit, wie ein Nachtwandler ſtill und ſtumm, ohne das erſchrockene Jeſus, Maria und Joſeph! von Madame Schmitz zu beachten, die ihm auf der Treppe begegnete, ohne die verwunderte Frage des Portiers: „Wollen Sie denn ausgehen, Herr Baron?“ zu beantworten, zur Thür hinaus, die Uferſtraße hinab, den Weg nach der Villa.
Siebenzehntes Capitel.
Vor der Thür der Villa hielten zwei Wagen: eine geſchloſſene Kutſche und ein Gepäckwagen, auf dem ſchon mehrere Koffer ſtanden. Auf dem Hausflur begegnete Sven Leuten, die andere Reiſeeffecten hinaustrugen. Er blickte durch offen ſtehende Thüren in halbaus⸗ geräumte Zimmer; von der Dienerſchaft ſah er Niemand; erſt in dem Vorzimmer des Salons traf er auf den alten engliſchen Diener, der eben mit einem großen Portefeuille unter dem Arm aus dem Salon trat, und, als er Sven erblickte, die Thür raſch hinter ſich zuzog. Zugleich richtete er ſich zu ſeiner ſtattlichen Höhe auf und blickte auf den Eindringling mit einer halb erſchrockenen und halb feindlichen Miene. Der alte Mang war Mr. Durham ſehr ergeben geweſen; es mochten in dieſem Moment ſeltſame Gedanken durch ſeinen Kopf gehen.
„Ich wünſche Ihre Herrin zu ſehen,“ ſagte Sven.
„Mrs. Durham iſt für Niemand zu ſprechen,“ erwiderte der Mann ſehr leiſe, aber ſehr beſtimmt, ohne ſeinen Platz oder ſeine Stellung zu verändern.
„Ich muß ſie ſehen.“
„Und ich wiederhole Ihnen, daß dies unmöglich iſt.“
„Ich werde mich ſelbſt vavon überzeugen;“ ſagte Sven, auf die Thür zuſchreitend.
„Zurück!“ rief der Alte, den einen Arm drohend gegen Sven ausſtreckend.


