Teil eines Werkes 
5. Band (1867) Clara Vere : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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268 In der zwölften Stunde. So erzählte ſie ihr, was ſie zu erzählen hatte, daß ſie ihren Vater nie gekannt, daß ſie nicht einmal wiſſe, wie er geheißen, wo er gelebt habe. Sie bat Mrs. Jones, ein kleines Täſchchen zu öffnen, in welchem ſie die Pretioſen, die ihrer Mutter gehörten, und die ſie beſtändig bei ſich getragen, verwahrt hatte, und zeigte ihr dieſelben. Sie erzählte von ihrer Mutter, von dem Tode derſelben, und auch Alles, was nachher geſchehen war bis zu dem Augenblicke, wo ſie Mrs. Jones mit dem Licht in der Hand in der Hausthür ſtehend erblickt und bald darauf das Bewußtſein verloren hatte.

Mrs. Jones hatte mit der größten Aufmerkſamkeit zugehört und Fanny wiederholt die Thränen von den Wangen gewiſcht, auch ſich ſelbſt mehr als einmal die Augen getrocknet.

Als das junge Mädchen geendigt hatte, küßte ſie es auf die Stirn und ſagte:

Du haſt, ſo jung Du biſt, ſchon viel erlitten, liebes Kind; aber damit iſt es jetzt, ſo Gott will, vorbei. Er hat Dich einen Beſchützer finden laſſen, der künftighin für Dich, wie für ſein eigenes Kind, oder eine Schweſter ſorgen wird.

Sind Sie die Mutter des Herrn, der ſich meiner an jenem Abend erbarmte? fragte Fanny.

Nein, erwiederte Mrs. Jones.Obgleich ich ihn lieb habe, wie einen Sohn, und er mich wie eine Mutter ehrt, bin ich doch ſeine Mutter nicht. Ich war ſeine Amme und bin jetzt ſeine Haushälterin.

Wer iſt er? wie heißt er?

Du ſollſt mit der Zeit Alles erfahren. Für heute haben wir nur ſchon zuviel geſprochen.

Vierzehn Tage ſpäter ſaß Fanny in dem Gemache, welche aus ihr Schlafzimmer ſtieß und wo ſie ſich jetzt ſtundenlang aufhalten durfte, in einem großen, bequemen Lehnſtuhl. Mrs. Jones ſaß in einem der Fenſter und nähte. Fanny war ein wenig erregt, denn der Herr, in deſſen Hauſe ſie ſich befand, hatte fragen laſſen, ob er heute einen Beſuch machen dürfe.

Aengſtigen Sie ſich nicht, liebes Kind! ſagte Mrs. Jones.

Ich ängſtige mich nicht, ſagte Fanny;aber ich ſehe, trotz des hübſchen Kleides, das Sie mir angezogen haben, mit meinem mageren