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In der zwölften Stunde.
Tuche ihr das naſſe Haar trocknete und ihren Kopf gegen ſeine Schulter legte. Er ſprach nicht zu ihr, nur einmal ſagte er:
„Befinden Sie ſich jetzt etwas beſſer?“
„Danke, ja,“ erwiederte Fanny; aber in der That fühlte ſie ſich ſehr krank. Ein raſender Schmerz hämmerte in ihren Schläfen; ein Fieber⸗ froſt ſchüttelte ihre Glieder und machte ihre Zähne aufeinander ſchlagen.
Die Fahrt dauerte lange. Endlich hielt der Wagen. Der Herr half Fanny ausſteigen, ſchloß ein eiſernes Gitterthor auf und als er ſah, daß das junge Mädchen faſt zuſammenbrach, trug er ſie die kurze Strecke von dem Gitterthor bis zu dem Hauſe. Er zog die Glocke. Man öffnete ſofort. Eine alte Frau ſtand da mit einem Licht in der Hand, das ſie vor Ueberraſchung vi dem unerwarteten Anblicke beinahe fallen ließ.
Das war aber auch ſo ziemlich Alles, was Fanny noch ſah.
Erſt ſpäter erinnerte ſie ſich wieder, daß die alte Frau ſie in ein Gemach des Erdgeſchoſſes führte und zu Bett brachte, und daß, als ſie im Bette lag, die alte Frau ſich über ſie beugte und freundlich zu ihr ſprach, während ihr die Thränen über die runzligen Wangen floſſen.
Was nun folgte, war ein ſchwerer, beängſtigender Traum, in welchem ſie immerfort von der Wirthin und ihren Töchtern verfolgt wurde, während ſie, um ihnen zu entgehen, ſich in Abgründe ſtürzte, die unermeßlich tief vor ihr aufklafften, oder in den Fluß ſprang, deſſen Wogen ſie umtosten, oder eine ſteile Treppe hinab lief, die immer enger und enger wurde und dann plötzlich in eine herrliche Landſchaft voll Licht und Sonnenſchein führte, über die ſie hoch in der Luft hinſchwebte, bis ſie aus der lichten Höhe wieder hinabſtürzte in das enge dunkle Haus ihrer Wirthin und die entſetzliche Jagd von neuem begann.
Zwiſchendurch fah ſie aber auch manchmal das freundliche Geſicht einer alten Frau und allmälig ſah ſie es öfter und deutlicher, und eines Tages erwachte ſie, wie nach einem langen erquickenden Schlaf, und konnte, obgleich ſie ſich unausſprechlich matt fühlte, doch wieder mit vollem Bewußtſein um ſich ſchauen.
Freilich dauerte es einige Zeit, bis ſie ſich nur einigermaßen in die Sitution zu finden wußte. Sie war in dieſem Augenblicke allein.
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