In der zwölften Stunde.
mit ſchwerem Herzen. Es dauerte nicht lange, ſo kamen die Herren, welche man erwartete. Es waren ihrer drei, junge hübſche Männer in eleganter Hleidung. Die Alte ſtellte ſie Fanny als ihre lieben Neffen vor, was denn wieder bei den Töchtern und den Herren ein ſchallendes Gelächter hervorrief. Ihre Geſichter waren erhitzt; ſie ſchienen von einem Diner zu kommen und dem Weine allzureichlich zugeſprochen zu haben. Zwei von ihnen machten ſich mit den Töchtern zu ſchaffen; der Dritte ſetzte ſich zu Fanny und ſagte ihr viel Schmei⸗ chelhaftes, worauf das junge Mädchen nichts zu erwiedern wußte, da ſie von Allem, was um ſie her vor ging, ſo verwirrt war, daß ſie kaum wußte, was ſie ſah oder hörte.
Aber die unbeſtimmte Angſt, die ſie ſchon während der ganzen letzten Zeit nicht mehr los geworden war, ſteigerte ſich mit jedem Augenblick, und eine Stimme in ihrem Innern ſagte ihr: Du mußt aus dieſem Hauſe entfliehen, und wäre es in den Tod.
Der junge Mann, der bei ihr geſeſſen hatte, war aufgeſtanden und zu der Alten gegangen, die im Nebenzimmer den Thee bereitete. Die beiden andern Paare, die lachend und kichernd in den dunkeln Ecken des Zimmers auf kleinen Sophas ſaßen, achteten nicht auf ſie. Fanny erhob ſich leiſe und ging zur Thür hinaus. Sie eilte, ſo ſchnell ſie konnte, auf ihre Stube, ergriff Mantel und Hut, in demſelben Augenblick aber klopfte es an ihre Thür. Sie ließ die Sachen wieder fallen, um, wenn es, wie ſie vermuthete, die Alte war, keinen Verdacht zu erregen, und ſagte, mit möglichſt feſter Stimme, obgleich ihr das Herz zum Zerſpringen klopfte: herein! Aber es war nicht die Alte, die jetzt hereintrat, ſondern der Herr, welcher eben bei ihr geſeſſen hatte. Er zog die Thür hinter ſich zu und warf ſich Fanny zu Füßen. Er ſchwor ihr, daß er ſie liebe: er verſprach ihr die ſchönſten Kleider und Schmuckſachen und Gold die Fülle, wenn ſie ihn wieder lieben wolle. Er hatte ihre Hände ergriffen und hielt ſie feſt, obgleich Fanny ihre ganze Kraft aufbot, ſie ihm wieder zu entziehen. Sie ſah, daß ſie in der Gewalt dieſes Mannes war; ſie wußte, daß ihr Hülferuf in dieſem Hauſe kein Echo ſinden werde, als brutales Lachen und un⸗ feine Scherze. Aber in dieſer äußerſten Noth fühlte ſie plötzlich einen Muth und eine Entſchloſſenheit in ſich, von der ſie ſelbſt keine Ahnung


