Teil eines Werkes 
5. Band (1867) Clara Vere : Roman / von Fr. Spielhagen
Entstehung
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244 In der zwölften Stunde.

und was er ſah, war Alles ſein und Alles, Alles legte er ihr zu Füßen;— er ſaß mit ihr in dem Teppichgemache der Villa; der milde Schein der Lampe fiel auf ihr dunkles, glänzendes Haar; er hatte ſein Haupt auf ihre Knie gelegt und aus ſeinem tiefſten Herzen quollen köſtliche Schmeichelworte zärtlichſter Liebe, während ſie ihm ſanft vas Haar aus der heißen Stirn ſtreichelte und ihre Augen wie Sterne durch das Halbdunkel leuchteten.— Dann ſchwamm er mit ihr in einem kleinen Boote allein auf dem im Abendſchein erglänzen⸗ den Strom; er bat ſie, ihm zu ſagen, ob ſie ihn liebe; aber wie er ihre Hand erfaßte, war es nicht ſie, ſondern ihr Gatte, und plötzlich wurde es Nacht ringsum und ſie verſanken in einen heulenden Ab⸗ grund, in welchem es von Ungeheuern wimmelte, die mit langen ſpitzigen Zähnen nach ihm ſchnappten.—

„Wie ſoll dies enden, wie ſoll dies enden!“ ſeufzte Benno, wäh⸗ rend er friſches Eis auf die glühende Stirn des Kranken legte;„wenn ich etwas weniger ſanguiniſch wäre, ſo könnte ich wahrhaftig wünſchen, er ſtürbe jetzt, denn, wie ich ihn kenne, iſt es nun doch mit allem Glück auf lange Jahre für ihn vorbei.“

Aber die kräftige Natur Svpens widerſtand ſiegreich den unge⸗ heuren Stößen, welche ſie hatte erdulden müſſen. Nach einigen Tagen erwachte er zu dem Bewußtſein des Lebens— es war ein trauriges Erwachen. Benno's Befürchtung ſchien in Erfüllung zu gehen— aus den gramesdüſtern Zügen war jede Spur von Jugendmuth und Lebensfreude verſchwunden. Er erzählte Benno, vor dem ja doch nichts verſchwiegen bleiben konnte, Alles, was ſich an dem verhäng⸗ nißvollen Abend zwiſchen ihm und Cornelien und Mr. Durham zu⸗ getragen hatte. Er erfuhr von Benno, daß man Mr. Durhams Leiche aufgefunden und gereits der Erde übergeben habe. Dann trat eine Pauſe ein und darauf fragte Sven:„Haſt Du Cornelien geſehen?“ „Ja.—“„Und?—“„Sie iſt heute, wie ſie geſtern war, oder, wenn Du willſt, wie immer: ſtumm und kalt und unergründlich. Sie ſitzt am Bette des kranken Evgar, der einmal über das andere fragt: wann der Papa wiederkommt? Sie hat jetzt eine gute Gelegenheit, ſich zur Abwechſelung einmal die andre Seite der Medaille zu beſehen.“

„Hat ſie nach mir gefragt?“